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S e d l n i n k y , die G r a f e n .
Zuerst urkundlich wird ein Heinrich v. Chol t ih genannt, der 1195
mit dem Markgrafen Dietrich dem Verwiesenen im heil. Lande
kämpfte. — Thymo v. Choltitz war 1313 Oberstlandrichter von
Böhmen, 136l) kaiserl. Kämmerer bey Car l IV. und Stadthauvtmann
von Prag. — Albert v. Cholt i tz war einer der gelehrtesten uno
redlichsten Manner seiner Zeit, 1420 war er kaiserl. Reichshofmeister;
er bekämpfte mehrmahls die Hussiten auf das muthigste. Plötzlich wur-
den, man weiß nicht wie und warum, die Cholritze aus Böhmen
verdrangt, ihre Güter zog der König ein, nur B i l i n erhielten die
Lobkowike. Mähren wurde nun ihr neues Vat-rland, wo sie bis
1564 als bloße Ritter erscheinen, weil jedes fremde Geschlecht nach dem
alten Rechte des Markgrafthums nur als ritterliches unter die Landes-
geschlechter aufgenommen wurde. Johann v. Choltitz erhielt 148l)
vom Olmützer Bischöfe Sedlnitz zum Lehen^ woher er, wie seine
Nachkommen, nach damahliger Sitte, den Nahmen Sedlnikky an-
nahmen. Georg S. v. Choltitz war 1590 Oberstlandrichter in
Mahren und auch. Gelehrter; von ihm ist der berühmte (^oclex 8elN-
nilx!iiInu8 im Franzensmuseum zu Brunn,der so wichtige Aufschlüsse
über Kaiser Wenzel's Zeiten gidt. Zur Zeit des böhm. Aufstandes un«
ter Kaiser Ferdinand I I . hatt.en sich auch die S . , wie mehrere Adels-
geschlechter, in Parteyen getheilt; ein S. war Oberfeldherr des mäh?.-
stand. Heeres, wogegen ein anderer dem Kaiser getreu blieb und dafür
in den Freyherrnstand erhoben wurde. — Carl Ju l ius , Freyh. S. v.
Ch olt i tz, war 1680 kaiserl. Cameral-Administrator der Fürstentü-
mer Liegnitz, Br ieg und Wohlan in Schlesien, wurde 1695
von Kaiser Leopold I. in den Grafenstand erhoben und starb 1731
als kaiserl. wirkl. geh. Rath. Im Besitz mehrerer Güter im schles. Für-
stenthume Troppau hatte er durch seine zweyte Heyrath mit einer Toch-
ter des Woywoden von Siradien noch betrachtliche Herrschaften in Polen
an sein Haus gebracht. Gegenwartig blüht das Geschlecht der S. in 2
Linien, der gräflichen und der freyherrlichen. Beyde Linien sind in
Schlesien begütert. Aus der grast. Linie ist Leopold Graf v. S., ge-
boren den 29. Zuly 1787, gewesener Dompropst und Administrator des
bischöst. Sprengels zu Bres lau , seit 1835 Breslauer Fürst-Bischof;
—'Joseph Graf v. S., geboren den 8. Jan. 1778, k. k. geb. Rath
und Präsident der Polizey- und Censur-Hofstelle in Wien , Großkreuz
des österr.-kaiserl. Leopold-Ordens, Ritter des russ. - kaiserl. St. Ale-
xander-Newsky- und des königl.-preusi. rothen Adler-Ordens I. Classe;
Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in Wien, der patriot.-
ökonom. Gesellschaft in Böhmen, der Landwirthschafts-Gesellschaft in
Kram, der mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues,
d?r Natur- und Landeskunde, dann Mitglied der Landwirthschafts-Ge-
fellschaft in Wien ; — Anton Graf v. S . , ältester Bruder der bey-
den Vorigen, geboren den 4. Dec. 1776, k. k. geh. Rath und mähr.-
schles. Landrechtspräsident in B r u n n , bekleidet auch die Landeswinde
als oberster Landrichter in Mahren. Aus freyherrl. Linie ist Wenzel
Freyh. v. S . , Landeshauptmann und Präsident des herzogl. Landrechts
der Fürstenthümer Troppau und Iägerndorf
Oesterr.Nat.stncnll.Vd.lv
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe N-Sed, Band 4
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe N-Sed
- Band
- 4
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 660
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie