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62 Slavonien. I I . Geographie und Statistik.
man Flachs, ,Hanf, Tabak, Krapp baut. An Süßholz hat das Land
einen großsn Überfluß, besonders in Sirmien. Von Zwetschkenbäumen
werden m S. ganze Wälder gefunden, und hin und wieder auch Ka-
stanien-, Mandel-, Feigen-und andere dergleichen Fruchtbäume ange-
troffen; in der größten Menge sind aber die weißen Maulbeerbaume
vorhanden. Von den Obstsorten verdient in diesem Lande besonders eine
Arc Pflaumen genannt zu werden, die so gure Prunellen gibt, als es
nur immer die französischen sind. S. ist mit vielen schönen und großen
Waldungen bedeckt; nur die Sirmier Gespanschaft hat Mangel an
Holz. S. hat einen großen Reichthum an nutzbaren Hausthieren. Man
sinder viele Pferde, aber die meisten sind, so wie in Ungarn, von klei-
nem Schlage, aber desto kleiner ist noch die Anzahl der Schafe. Gegen-
wärtig zählt S. 2 Städte, die königl. Freystädte Eszek (zugleich
Hauvrstadtund Festung) und Posega, 34 Märkte, 530 Dörfer und
22 Prädien, mit 315,000 Einwohnern. In Hinsicht auf ihre ursprüng-
liche Abkunft sind diese: 1) Eigentliche Slavonier oder Slavinen, wel-
che sich hier im 7. Jahrhundert niederließen, aber zur Zeit der Türken-
lriegs und der türkischen Herrschaft größten Theils ausgerottet worden
sind. 2) Illyrier, die unter Leopold I. seit 1690 aus Serbien und
Albanien eingewandert sind. 3) Deutsche Colonisten, welche unter
M a r i a Theresia und Joseph I I . ins Land kamen. 4) Ungarn,
die aber vor dem Einfalle der Türken vielzahlreicher waren, und jetzt
nur noch in der Gegend von Eszek gefunden werden. 5) Zigeuner oder
sogenannte Neubauern. — Die slavon. National-Industrie beschränkt sich
fast noch einzig auf die Gewinnung der ersten und unentbehrlichsten Le-
bensbedürfnisse. Denn die fabricirende Menschenclasse, welche sich mit
der Veredlung oder kunstmäßigen Verarbeitung der rohen Naturpro-
ducte beschäftigt, kann bey einer so schwachen Bevölkerung, als S. hat,
unmöglich von Bedeutenheit seyn. S. gehört zu den ersten Getreidelän-
dern der österr. Monarchie. Überhaupt steht jedoch der Ackerbau in S. mit
der Viehzucht in gar keinem richtigen Verhältnisse; der Viehstand ist zu ge-
ring, und daher Mangel an Dünger. Aber freylich kann hier, bey der jetzigen
Beschaffenheit der Landwirthschaft, auch keine größere Viehzucht bestehen,
^veil man keinen Futterbau und zu wenig Wiesen hat. In S. ist der
Odstbau noch sehr unbeträchtlich; nur mit der Pflanzung und Wartung
der Zwetschkenbäume beschäftigt sich der Slavonier emsiger und sorgfälti-
ger, weil aus deren Frucht ein Branntwein destillirt wird, der unter
dem Nahmen Racky oder Slibowitza berühmt und das tägliche und an-
genehmste Getränk der Illyrier ist. Daher die Zwetschkenbäume viel häu-
figer als selbst die Weinreben bepflanzt werden, besonders aber im Po-
seganer Comitat und in Sirmien. Letzteres allein besitzt bey 7,000 Joch,
größten Theils mit Zwetschken bepflanzte Gärten. Ein lettiger, der
Morgen- oder Mittagssonne ausgesetzter, Boden wird für den zuträg-
lichsten gehalten. In den neu angelegten Obstgärten, wo die Bäumchen
reihenweise gesetzt sind, wird in den ersten Jahren, ehe die Wurzeln sich
ausbreiten können, Mais gesäet, damit, weil der Boden zwischen den
Pflanzen öfters umgegraben werden muß, die Stämme desto besser zu-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie