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6! Slavonische Militärgränze. — Slawata.
Weg Steyermark, Niederösterreich, Mähren und Böhmen ihre Fa-
briks- und Manufacturwaaren nach der Türkey und ins schwarze Meer,
Ungarn aber und das Banat ihr Getreide und ihren Tabak in dasungar.
Küstenland senden; während die deutsch-erbla'ndischen Provinzen und
selbst Sachsen einen großen Theil türkischer Producte über Seml in an
sich ziehen. Aber freylich kann dieser Handel für S. von keiner großen
Bedeutung seyn, da er nur in einer kurzen Strecke durch dieses Land
geht, und überdieß sich bloß auf wenige Speditionsgeschäfte beschrankt;
denn von den ö'sterr. Manufactur- und Fabrikswaren hält der türkische
Unterthan größtentheils selbst Lager in Wien, wahrend der Handel mit
türkischen Producten meist für Rechnung fremder Kaufleute getrieben
wird. Die türkischen Waaren und Producte kommen über Seml in,
B rood , Mitrowitz und Alt-Gradisca nack S. Daher auf den
ersten beyden Orten Contumaza'nner und auf den 2 letztern Rastellamter
bestehen. Auf den sogenannten Stellen an der Save wird zwischen den
Granzern und den türkischen Unterthanen größtentheils nur ein Tausch,
Handel getrieben. Das katholische Schulwesen ist in S. auf eben die
Art und Weise eingerichtet, wie in Ungarn. Für den allgemeinen Volks'
unterricht bestehen in S. so wie in Ungarn die sogenannten National
schulen. In den slavonischen Comitaren sind die Nationalschulen. Zur
Vorbereitung auf höhere Studien bestehen in S. Gymnasien. In Dia«
kovär ist der Sitz des kathol. Landes-Bischofs, welcher ein Lyceum
und eine Hauptschule unterhalt. — S/s vorzüglichste Bader und Ge.»
sundbrmmen sind: Markt D aruvär, Poseganer Gespanschaft, warme
Bäder. — Dorf Lipik, Poseganer Gesp., 3 Schwefelquellen. —
Ort Sveta-Woda, Postganer Gesp., Sauerbrunnen.
Slavonische Mil i tärgränze, im Militärgränzlande, aus 3
Bezirken, nähmlich dem Gradiscaner, Brooder und Peterwardeiner
Regimenrsbezirke und dem Csaikisten-Bataillons-Districte bestehend,
bat ein Areal von 1 3 5 ^ geograph. Q. M. und eine Bevölkerung von
233,000 Seelen, welche in 3 Städten, 4 Märkten und 312 Dörfern
wohnen. Producte sind: Getreide, Flachs, Honig, Seide, Holz lc.
S lawata , w i l h . Graf v . , geboren 1563. Von Geburt
Picardit, trat er bald zur katholischen Religion über, durchreiste die
vorzüglichsten Lander Europas, in welchen sein Genie sich glänzend
zeigte, so dasi ihn der berühmte Ch rist o pH Ha ran t in der Vorrede
zu seinem „Itinei-ai-ium" dem böhmischen Adel zum Muster vorstellte.
Bald nach seiner Vermahlung mit der Erbinn und einzigen Tochter des
reichen Adam v. Neuhaus, Oberstburggrafen von Böhmen, wurde
er zu den ansehnlichsten Würden dieses Königreichs berufen. In den Un-
ruhen unter Ferdinand I I . suchten ihn, der damahls das Oberst«
kammereramt des Landes verwaltete, die aufrührerischen Stände I6l3
durch allerley Kunstgriffe auf ihre Seite zu ziehen; allein ihr Bemühen
scheiterte an seiner Standhaftigkeit; dadurch heftig aufgereizt, stürzten
sie ihn mit Ia ros l . : us v. Mart in i tz aus den höchsten Fenstern des
Prager Schlosses in die Tiefe hinab, bey welchem gefährlichen Sturze
er dennoch glücklicherweise unverletzt blieb, und zu entfliehen vermochte.
Nach der Schlacht auf dem weißen Berge 1620 rief der Kaiser den
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie