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Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe See-V, Band 5
Seite - 76 -
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Seite - 76 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe See-V, Band 5

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76 S o n n e n f e l s. gebung zukommen, wenn sie anch durch das Äußere Ehrfurcht und Folg- samkeit gebiethen will. — Nicht minder verdienstlich war der Feuereifer, mit dem S. sich der Verbesserung der in so vielen Hinsichten einflußrei« chen Schaubühne annahm. Was in derselben Zeit Lessing für Ham- burg und Deutschland war, ist S. für Wien und Osterreich gewor- den. Durch den Reiz serner allgemein beliebt gewordenen Zeitschriften, durch die Geißel seiner Satyre und selbst durch gründliche Vorstellungen bey den Behörden, war er es, der endlich nicht ohne langen Kampf, die Nationaldühne der Hauptstadt Deutschlands von dem entehrenden Unfug der Jacke, der Bernadonspossen und des Extemporirens gerei- nigt, den Zeitgenossen Geschmack an dem regelmäßigen Schauspiele und der dramatischen Kunst die verdiente Achtung verschafft, dadurch aber die Bühne zu der werthvollen Bestimmung erhoben hat, eine Schule der Sitten und der Welt zu seyn. Von dem Bewußtseyn und dem Mu- the der guten Sache beseelt, hatte S. nie durch Hindernisse sich abschre- cken lassen, und sich zum Wahlspruche gemacht: ^u ns ce^6 ina!i8, 56li contra auc^entior ito. Dabey war er so glücklich, daß einige wür- dige Staatsmänner seinen Fähigkeiten und Absichten Gerechtigkeit leiste- ten und die große Ma r ia Theresia ihn unmittelbar in Schutz nahm. Schon in 2 Jahren, nachdem er das Lehramt der Staatswissenschaften über- nommen, gab S. seine „Grundsätze der Polizey-, Finanz- und Hand- lungswissenschaft" heraus, zu denen er sich wieder selbst die Bahn bre- chen mußte, und obschon die Staatswissenschaften damahls kaum den Gränzen nach bestimmt, und S. außer den wenig bedeutenden Vorgän- gern Beausobre, Melon und Forbonnais fast gar keine Mu- ster hatte, so legte er doch ein so umfassendes und zusammenhängendes Lehrbuch vor, und vervollkommnet? dasselbe in den spätern Auflagen so sehr, daß es auch bey mehreren auswärtigen Lehranstalten als Leitfaden zum Grunde gelegt wurde. Wenn die Staatsverwaltungslehre seither einen weit höheren Aufschwung genommen hat, und eigentlich erst durch Adam S m i t h und seine Schüler Canard, Say , Gan i lh , So- den u. A. zu einer auf bestimmte Grundsätze und sichere Berechnungen gebrachten Wissenschaft erhoben worden ist, hinter welche alle frühere Arbeiten weit zurücktreten, so bleibt es immer ein dauerndes Verdienst S.'s, zuerst Ansichten und Begriffe in der schweren und allen Gliedern der bürgerl. Gesellschaft so nahe liegenden Wissenschaft der Staatsver- waltung entwickelt, und nicht wenig zur Bildung der zum Theil noch lebenden vorzüglichsten Staatsbeamten Österreichs beygetragen zu ha- ben. Tas Lehramt der politischen Wissenschaften führte S. auf den Weg, in die Entscheidungen der Staatsverwaltung oft heilsam einzu- wirken und endlich selbst in derselben Heiligthum zu treten. Der edle Eifer, mit dem er den Gebrauch der Folter bekämpfte, und endlich der- selben Abschaffung bewirkte, ist ein ehrenvolles, unsterbliches Denkmal, das er sich in der Geschichte der Menschheit und in der österr. Gesetzge- bung errichtet hat. Alle seine Schriften beweisen seinen in jedem An« lasse rege gewordenen Eifer für das Beste des Staates, die Ehre der Nation und den Glanz des Thrones. Er hat damit mehr den Ruhm ge- meinnützig zu werden, als einer classischen Unsterblichkeit gesucht, und
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Österreichische National-Enzyklopädie Buchstabe See-V, Band 5
Titel
Österreichische National-Enzyklopädie
Untertitel
Buchstabe See-V
Band
5
Autoren
Franz Gräffer
Johann Czikann
Verlag
H. Strauß
Ort
Wien
Datum
1835
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.3 x 22.0 cm
Seiten
604
Schlagwörter
Nachschlagewerk, Biografien
Kategorien
Lexika National-Enzyklopädie
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