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292 Taubstummen-Institute.
1782 oben genannte Würden an der von Olmütz nach B r u n n versetz«
ten Universität bekleidet hatte. Er starb den 6. Jänner 13!4. Im Drucke
hatte er herausgegeben: Regeln der Geschichte, Wien 1781. — AbHand,
tung von der hierarchischen Gewalt der h. allg. Kirche, eb. 1782.
Taubstummen-Institute. Das Wiener Institut, obschon nicht
die erste solche Anstalt in Deutschland, da bereits 1778 das Heinicke«
sche Institut in Leipzig entstand, doch sicher die erste Staatsanstalt
dieser Art, verdankt seine Entstehung vor allen dem unvergeßlichen Kai-
ser Joseph 11. Bey seiner Anwesenheit zu Par is 1777 hörte dieser
menschenfreundliche Fürst von des vortrefflichen Abbe de l'Epee segens-.
reichen Bemühungen um die Bildung unglücklicher Taubstummen, er be-
suchte dessen Institut, überzeugte sich von der Lehrmethode, prüfte Alles
auf das sorgfältigste und beschloß sofort die Errichtung eines ähnlichen
Institutes in den österr. Staaten. So entstand 1779 noch unter M.THe-
resiens Regierung als eine Art Probeanstalt eine Freyschule für Taul-
stumme im Bürgerspitale, worin 6 arme taubstumme Knaben aufgenom-
men wurden. Vorsteher dieser Anstalt war Fried r. S ta r k , Weltprie-
ster und Doctor der Philosophie, welcher das Verfahren auf Veranlas,
sung des Kaisers in Par is studirt hatte; dessen Gehülfe wurde I o s.
May (s. d.), ein junger talentvoller Böhme, den I osepH I I . eigens
von Par is aus engagirte, wo er als Lehrer der deutschen Sprache an»
gestellt gewesen war. Schon 1782 befahl der Kaiser, durch den Erfolg
von der Zweckmäßigkeit dieser Anstalt überzeugt, die Zahl der Zöglinge
auf 30 zu vermehren und ließ zu diesem Zweck eine der Absicht besser ent-
sprechende Wohnung in der Wollzeile (gegenwärtig Nr. 791) miethen.
1784 wurde die Anstalt in das durch Aufhebung des P a zm an y'schen
Collegiums leer gewordene Gebäude auf den Dominicanerplatz übersetzt,
nach Wiederherstellung dieses Collegiums durch Kaiser Leopold I I .
1790 kam das Institut einstweilen in das Winoh ag'sche Stiftungs-
haus in der obern Blickerstraße, wo es das 2. und 3. Stockwerk inne
hatte. Allein bald mußte sich die Staatsverwaltung überzeugen, daß
sich dieses Gebäude aus Mangel an hinlänglichem Licht, reiner Luft und
eines Gartens oder großen Hofes, zum Tummelplatze für die Ju-
gend, für kein Erziehungshaus eigne, das bereits schon 1303 bey 50
Zöglinge zahlte. Kaiser Franz befahl daher, daß für das Institut ein
eigenes zweckmäßiges Gebäude in einer Vorstadt Wiens angekauft
werde, und bald wurde das, auf der alten Wieden, Favoritenstraße,
neben der Theresianischen Ritterakademie (jetzt Nr. 313) gelegeneHaus
für das zweckmäßigste erkannt, gekauft und für das Institut eingerichtet.
Das Gebäude erhielt allmöhlig viele Erweiterungen, einen großen Gar-
ten und hat gegenwärtig Raum für 70 Zöglinge. Der mittlere Stand
ist 65 Köpfe, darunter sind 20 kaiserliche und mehrere öffentliche Fonds-
stifrungsplätze, das Institut selbst unterhält 2 Zöglinge von seinem ei.
genen Capitale, welches durch viele milde Beytrage bereits über 107,300
Gulden angewachsen iss. In Betreff der Aufnahme der Zöglinge in das
Institut und der Dauer ihres Aufenthaltes in demselben gelten folgende
Bestimmungen: Sie sind aus leicht begreiflichen Ursachen nicht vor
dem 7. und nicht nach dem 14. Jahre ihres Alters aufzunehmen, sie ge-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie