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302 T e l e k i , I o s. G r a f.
wandelbare Oerechtigkeitsliebe die Huld des Monarchen und die allge-
meine Achtung seiner Mitbürger erwarb. Bey so vielfach in Anspruch
genommener Thätigkeit erwarb sich T. bereits auch als Gelehrter unver-
geßliche Verdienste um die ungarische Literatur, und fahrt unausgesetzt
fort, selbe zu vermehren. Kaum von seinen Reisen zurückgekehrt, machte
er sich schon durch zahlreiche, werthvolle Abhandlungen und Recensionen
in der Monathschrift ^uäomänyog (^üjleinen^ stets mehr und mehr
bemerkbar, auch nahm er, nach Fej6r's Austritt von der Redaction,
an dieser thatigen Antheil. Zur selben Zeit wurden zwey Preisschriften
von ihm durch dasMarczibänyi'scheInstitutgekront.Ihm gebührt die
Ehre, in derAngelegenheit der, damahls so heftig angefochtenen neologischen
Schule, der Ersteden Gegenstand mit eben so viel systematischer Gründ,
lichkeit als umfassendem Wissen, ohne Harm und Leidenschaft allseitig
erforscht, beleuchtet, und zur Vereinigung der Parteyen das weiseste
Wort gesprochen zu haben. Zugleich bildet der historische Abschnitt des
Werkes den ersten, wirklich geistreichen Versuch einer Geschichte der un-
garischen Sprache. Die zweyte Preisschrift über die Methode eines voll-
ständigen ungarischen Wörterbuches fand 15 Jahre später die philologi,
sche Classe der ungarischen Akademie noch so erschöpfend und richtig, daß
sie als Grundlage des. durch Letztere abzufassenden Nationalwerkes ange-
nommen wurde. (Beyde erschienen in Hutaloin lelelelelc 2' M. Remx.
HIU86UM li6l^656il6, Pesth -821, 2 Bde.) Auf diese Arbeiten folg-
ten einige historische Skizzen in Kisfaludi 's Aurora 1322—23 und
bezeichnen den Zeitpunct, wo T. zu historischen Studien überging, wel-
chen er alle seine Muße bald ausschließlich widmete. Vor Allen zog ihn
die eben so reichhaltige als glänzende Epoche des ungarischen,Staats«
und Volkslebens unter den Hunyaden (1433—90) an. Mit außeror-
dentlichen Anstrengungen und nicht minderen Kosten häufte er eine
Masse von Quellen an, und begann das großartige, bändereiche Werk
1325, ohne seine Arbeiten bis zur Stunde auszusetzen. In wenig Jah-
ren dürfte es ans Licht treten. Abgehend von der Einseitigkeit der meisten
bisherigen ungarischen Historiker, versucht T. hier nicht etwa eine bloße
detaillirte Kriegsgeschichte, sondern ein vollständiges Bild der Nation in
jener Epoche zuliefern, mit all ihren äußern und innern, welt- und
staatsbürgerlichen, kriegerischen, religiösen, commerziellen, intellek-
tuellen und socialen Pewegungen und Verhältnissen. — Eine Folge sei-
nes gründlichen, ausgebreiteten Wissens und der organisirenden Rich-
tung seines Geistes war es>daß ihn der Erzherzog-Palatin undProtector
1823 zum Präsidenten jener Deputation ernannte, welcher die Orga-
nisation der zu errichtenden ungarischen Akademie aufgetragen war;
daß ihn die Gründer derselben zum Mitgliede des Directoriums, dieses
ihn 1830 zum Präsidenten der vom König bestätigten und damahls con-
stituirten Akademie erwählten, diese Wahl seitdem jedes Jahr erneuert,
und gehörig sanctionirt wurde. — Doch nicht nur als Staatsdiener,
Richte?- und Gelehrter fährt T. fort seine Verdienste zu vermehren; er
steht auch bey jeder Gelegenheit in der Reihe jener großherzigen Pa-
trioten, welche für das allgemeine Beste kein OpferWetten. Das Nahm-
hafteste ist die mit seiner Mutter uttd seinen Brüdern gemeinschaftliche
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie