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lempelstein.—Templer-Orden in den österr. Staaten. 305
sephstadt, eine überaus angenehme schnurgerade Vorstadt mit sehr
breiten Straßen. Die Einwohner sind hier Deutsche. >— Vor dem Sie-
benbürger Thore ist die Fabr iken-Vorstadt , so benannt/ wegen
der ehemahls hier bestandenen bedeutenden Fabriken. Die meisten dieser
Fabriken gingen, als sich 1733 die Nachricht von einem Türkenkriege
verbreitete, wieder ein; die Vorstadt jedoch behielt^ihren Nahmen.Jetzt
haben hier die türkischen Kaufleute ihre Niederlagen.
Tempelstein, Trümmer einer Veste, 1 Stunde nordwestlich vom
Stadtchen Kromau im Znaymer Kreise Mährens, in einer von Wäl-
dern umgränzten Gegend, am rechten Ufer der Igla. Jetzt sind nur
noch eine sehr dicke Vormauer, einige stufenweise aufgestellte Wände,
und ein 500 Ellen tiefer Felsenbrunnen übrig; alles Übrige ist mit Ge-
sträuch/ Birken und Schnitt bedeckt.
Templer-Orden in den österr. Staaten. Ob es überhaupt
jemahls Commenden dieses einst so mächtigen Ordens im Bereiche der
österr. Monarchie gegeben habe oder nicht, wurde schon so häufig zum
Gegenstande gelehrter Untersuchungen, Forschungen un^ Streitigkeiten
gem^chr, daß, sollten alle Für und Wider hier angeführt werden,
dieser Artikel sich zum Buche gestalren würde. Während viele Gelehrte
der Meinung des völligen Ungrundes ersterer Behauptung sind/ und die-
ses durch historische Nachweisungen und unzweifelhafte Urkunden bekräf-
tigten, hat sich dennoch die Sage von den Templern durch altergraue
Tradition, welcher doch gewöhnlich ein Körnlein Wahrheit zum Grunde
liegen muß, bis auf unsere Tage in Ansehen zu erhalten gewußt, und
mehrere hier und da aufgefundene, wenn auch schwache Spuren, lassen
es kaum bezweifeln, daß dieser einst so mächtige Orden, dessen weitläu-
fige Besitzungen in England, Frankreich und andern Landern geschicht-
lich erwiesen, auch zur Zeit seines höchsten Flores in den österr. Län-
dern Eingang gesucht und gefunden habe. Für Ungarn, Böhmen und
Mahren, wie in der Folge erörtert werden wird, ist diese Vermuthung durch
neuere Forschungen zur Gewißheit gediehen. Nach Osterreich soll sie
Leopold der Glorreiche, nebst den Iohannitern und den deutschen
Herren, von seinen Kreuzfahrten gebracht, und ihnen nahmentlich in
Wien die Marienkirche zwischen dem nachmahligen Stubenthor und
Biberthurme, mit dem anstoßenden Gebäude zur Wohnung eingeräumt
haben, wohin in der Folge die Dominicaner aus Ungarn berufen wur-
den. Doch bleibt es immer nur eine alte, schlechtverbü?gte Sage, daß
die Templer je selbst in Wien gehauset, denn der einzige Gewährs-
mann derselben, Laz, ist weder eine gleichzeitige, noch minder aber
eine verläßliche Quelle. Die Dominicaner kamen so früh nach W i e n ,
daß die Templer nur wenige Jahre in dem, nun seir mehr als 6 Jahr-
hunderten, von Jenen bewohnten Umkreis hatten weilen können. Auch
beruht alle urkundliche Beglaubigung von Besitzthümern des T.-O.'s
in Niederösterreich einzig und allein auf zwey unbedeutenden Urkunden,
deren eine, von dem verdienten Genealogen, Freyh. v. Hoheneck,
aufbewahrt, darthut, daß die Templer 130!) ihr Gut zu Schwe-
cht, Fischamend und Rauhenwart an einen Herrn von
Hesterr.Nat.Encytl. Vd.V. > 20
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie