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3t)6 Templer-Orden in den österr. Staaten.
Haßlau verkauft haben, und die zweyte von 1302, daß Bruder Ek-
t o , .des T.-O.'s Comthur, Gebierhiger durch Böhmen, Mähren
und Osterreich, die dem Orden zuständigen Abgaben vom Teinfalthof
in der Teinfaltstraße in Wien mit andern von einer Bäckerey in der
Radstraße (Dorotheergasse) an den Schortnerabt, Wi lhe lm, ver-
tauscht habe. Erwägt man noch überdieß, daß von den meisten Orten
Österreichs, wo Sagen und Mahrchen, wohl auch spatere unbeglaubigte
Quellen, Templer hinsetzen, z. B. Pet rone l l , H a inburg, Perch-
toldsdorf , Möd l ing , Eggenburg, Hei l igenstadt, Neun-
kirchen, Aspern an der Zaya , Ebenfur t , Schöngrabern,
u. m. a. ziemlich genügend dargethan werden könne, daß sie nicht dem
Orden, sondern andern geistlichen Körperschaften, dem Landesherrn, oder
verschiedenen machtigen Baronen^zugehört haben, so geht klar hervor,
daß das Templer-Besitzthum in Osterreich so unbedeutend gewesen, daß
es gar keine eigene Comthurey gebildet hake. Ihr geringer Besitz daselbst
war auch wahrscheinlich schon langst verkauft, als auf der Synode zu
Vienne des einst so mächtigen Ordens letzte Stunde schlug. Größers
Ausbreitung aber hatte, wie bereits erwähnt, dieser Orden in Böh-
men, Mahren und Ungarn. Waren sie auch in den ersten Landern nicht
überall, wohin der nicht immer verläßliche Historiker Hagek oder wohl
gar Volkssagen sie versetzen, so mögen sie doch weit mehrere Sitze ge-
habt haben, als wir bisher durch Urkunden erfuhren. Nach dem Zeug-
nisse mehrerer vaterländischen Schriftsteller und ihrer Gewährsmänner
soll König Johann von Böhmen mehr als 2(1 templerische Schlösser zur
tönigl. Kammer eingezogen haben, während einige von den Rittern selbst
behalten und auf ihre Nachkommen vererbt wurden.In Prag waren sie
ganz zuverläßig in der Altstadt ansaßig, und zwar in der Kirche des heil.
Laurenz (jetzigen Annakirche), wo urkundlich der Großmeister der
Tempelherren, Peter Ostrew v. D u b a , ein geborner Böhme,
für dieselben ein Klostergebäude errichtete und Jerusalem nannte,wie
auch in dem noch heut zu Tage sogenannten Tempel in der Zeltnergasse,
wo jedoch von ihrem Hause keine Spur mehr vorhanden ist. Nebst Prag
können nach dem Inhalte der bisher bekannt gewordenen Urkunden, bloß
Czeykowitz und Aurzinowes in Böhmen, mit voller Gewißheit als
Templersitze angenommen werden; verschiedene aufbewahrte und noch in
neuerer Zeit ausgegrabene Alterthümer mit Abbildungen der bekannten
mystischen Symbole dieses Ordens aber lassen seine noch weitere Ausbrei-
tung mit unbestreitbarer Gewißheit vermuthen. In Ungarn spielten die
Templer eine große Rolle unter König Andreas demHierosolymi-
taner. Es ist urkundlich beglaubigt, daß das berühmte Priorat von
Aurana Besitz dieses Ordens war, ehe es an die Iohanniter gedieh.
Auch gehörte ihnen die Provstey Glogonza, ein Haus in Gran,
Tologd an der siebenbürg. Gränze,, mehrere feste Burgen im Thuroczer
und LiptauerComitate, nahmentlich Blat tn i tz ; Burg undKircheander
in unsern Tagen so besuchten Heilquelle P isch t ia n imWaagthale u. a.m.
Noch gewaltiger sollen die Templer in Ungarns südlichen Nebenreichen
CroatieN/ Dalmatien und Slavonien genesen seyn, doch tritt hier aus
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie