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T e p l i y (böhm. S tad t ) . 338
Tages trieben seine Hirten die Schweinheerde in diese Gegend, und
mehrere Schweine fanden ihren Tod in der heißen Fluth. Diese Enr-
decknng veranlaßte den Ritter, sich hier eine Burg zu erbauen. Der
Sage nach soll sich diese Begebenheit im Jahre 762 nach Chr. G. ereig-
net haben, wie dieses der am Stadtbade befindliche Gedenkstein beftgr.
Um die Burg des Kolostug versammelten sich bald mehrere Ansiedler,
welche die Heilkraft der Quelle erkannten, so daß eine Art Gasse, in
der Landessprache „ulice" genannt, entstand, und da die Quelle heiß
war, so bekam die Gasse den Nahmen der warmen Gasse, „tepla
ulice," woraus durch Abkürzung Teplice, und späterhin Tepli tz
gebildet wurde. — Die Stadt T. hat die Gestalt eines regelmäßigen
Vierecks mit 3 Thoren und einen Umfang von beynahe ^ Stunde. Die
vorzüglichsten Gebäude sind: Das fürstl. Schloß mit dem anstoßenden
großen Garten und dem Theater, das 1806 erbaute Rathhaus am
Markte, die Decanatskirche, das vom Kaiser Alexander erbaute
goldene Kreuz, der Gartensaal, das Herrenhaus, dieKreuzcapelle mit
dem Kirchhofe, in welchem das Grabmal des Dichters Ioh. O o ttfr.
Seume (gest. den 13. Iuny 1810) sich befindet u. a. m. — T . steht
durch eine Reihe schöner Häuser mit dem Dorfe Schon au in Verbin-
dung. Die Häuser in Schön au liegen etwas weniges höher, am Fuße
des Schönauer Berges hin, das Steinbad etwas'in der Tiefe, auf ei-
nem Wiesengrunde, in der Nähe des k. k. Militärbadehauses. — Die
Teplitzer Heilquellen sind nahmentlich folgende: 1) In der Stadt:
Die Hauptquelle oder der Ursprung; die Frauen- und Weiberbadequelle
sbeyde im städtischen Badehause); 3) in der Vorstadr: Die Frauenzim-
merbadequelle; die Sandquelle; die Gartenquelle; 3) imDorfe Schö-
nau: Die Steinbadequelle; die Tempelbadequelle; die Wiesenquelle;
die'Gemeinsandbadequelle; die Schlangenbadequellen ; d-ie Schwefelbade-
cmellen. Das Wasser dieser Quellen gehört nach seinen Mineralbestand-
theilen unter die alkalinisch-salinischen Stahlwaffer, welches mit einem
natürlichen verschiedenen Wärmegrade von -1- 39 5° R. bis - j - 20,75"
eine Menge in sich enthaltendes Stickstoff - und kohlensaures Gas
entwickelt. Kein chemisches Reagens hat bisher ein darin enthaltenes
Schwcfelhydrat entdeckt. Die Resultate der chemischen Untersuchun-
gen dieser Thermen stimmen darin überein, daß alle benannten O.uellcn
gleichartige Bestandtheile enthalten, und daß diese nur in dem Mischungs-
verhältnisse des Wassers der einzelnen Quellen unter sich etwas weniges
abweichen. Natron , Kali, Kohlen-, Schwefel-, Salz-, Kiesel-,
Pbosphorsäure als avide; Kalk-, Talkerde, eine Spur von Thonerde
und Eisen, äußerst wenig Mangan und Kupferoryd als basische, sind
die Hauptbestandtheile, die als ein einzig gemischtes Salz durch die na-
türliche Wärme verstärk, in das Waffer dieser Heilquellen gebunden
sind. Doctor Ambrozihat vor mehr als 30 Jahren die Hauptquelle,
die Gartenquelle, die Steinbadequelle, die Schlangenbadequelle und
die Schwefelbadeqnelle untersucht, und in einem Civ. Pfund von jede?
derselben folgende Bestandtheile gefunden:
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie