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Teppichfabrikation. 317
lation mehrere wichtige Verbessungen eingeführt hat. Der größte Tep-
pich, welcher bis jetzt in der Linzer Manufactur verfertigt wurde, ist
der 1823 für das kaiserliche Appartement in Wien gelieferte Fußteppich.
Bey einer Länge von 32 Schuh und einer Breite von 23 Schuh ist sein
Flächenmaß 896 Quadratschuh. Das Gewicht desselben beträgt 500 Pf.
Er zeichnet sich besonders durch schönes Colorir aus. In Wien besteht
seit einiger Zeit die Berger'sche Tepvichfabrik, die ebenfalls schöne
Waaren erzsugt. — Anfänglich hatte die Manufactur sich ausschließend
auf die sogenannten aufgeschnittenen Teppiche nach Niederländer Art be-
schränkt, undTwenn dieselben auch damahls den ausländischen nicht ganz
gleichgestellt werden konnten, und noch manche Mängel hatten, so
fehlte es dennoch nicht an Absatz, und binnen wenigen Jahren waren
schon 15 Stühle damit beschäftigt. Bald darauf fing man an, die Teppich-
Erzeugung auf die ausgezogenen, d. i. unaufgeschnittenen Teppiche, die
ihrer Dauerhaftigkeit wegen viele Vorzüge vor den aufgeschnittenen ha-
ben, auszudehnen. Überhaupt nahm die Ausdehnung dieses neuen Ar-
beitszweiges mit jedem Jahre zu, sowie man auch in der Vervollkomm-
nung der Waare nicht zurückblieb. Wesentlich trug hierzu die Umstaltung
der Weberstühle nach der Art, wie sie in der Berliner Teppichfabrik ein-
geführt wurden, bey. Hat gleich der als Director der Linzer Fabrik
nach dem Freyh. v. Sorgen tha l aufgestellte Hofrath Lacasa sich
durch seine Sorgfalt viele Verdienste um die T. erworben, so war
es doch dem kürzlich verstorbenen Fabrikschef, Negierungsrathe Ig n.
Gros v. E hrnstein, vorbehalten, die Linzer Teppiche zu einer sol-
chen Stufe der Vollkommenheit zu bringen, daß sie in Hinsicht der Aus-
führung der Zeichnungen, der Lebhaftigkeit und Dauer der Farben,
und der Qualität des Stoffes, selbst den englischen Mustern gleichge-
stellt werden können. — Ganz ordinäre und mittelfeine Teppiche werden
auch zu S t . S iegmund, W e l s b e r g und Teffereggen im
Pusterthaler Kreise Tyrols verfertiget. Diese sind gewöhnlich 2 Ellen
3 Zoll lang und 2 Ellen breit. Man rechnet jährlich im Pusterthale
allein an 10,000 Stück, mit deren Verfertigung sich 4 bis 500 Menschen
beschäftigen. — In den nördlichen Provinzen befinden sich bloß zu Rad-
ziech o w im Zloczower Kreise G a l izien s einige Werkmeister, welche
aus Wolle nach Art der Linzer, gute und ziemlich schöne Fuß-Teppiche ver-
fertigen.— Im lombardisch-venetianischen König reiche wer-
den in der Provinz Bresc ia Tisch-Teppiche von verschiedener Lange und
Breite gewebt, wobey die Kette gewöhnlich Leinengarn, seltenerBaum-
wollgarn, der Eintrag Woll - und Baumwollgarn ist. Die Brüder
Alexander und Faustus B e l l a n d i in Brescia besitzen in
Pra lbo ino eine sehr bedeutende Fabrit, worin außer Tischzeug, Lein-
wand un) Baumwollzeuge auch Teppich mit leinener und schafwollener
Kette verfertiget werden. Die sogenannten Bergamos, welche von der
Stadt Bergamo den Nahmen führen, sind ganz geringe Teppiche,
und haben zur Kette gemeiniglich Hanfgarn, zum Eintrage Wolle,
Angoragarn, Baumwollgarn oder Flockseide. Die mannigfaltigen Teppiche
endlich, welche in der Militärgränze meist zum eigenen Gebrauche und
von vorzüglicher Güte verfertigt werden, vollenden das Ganze der öster-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie