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332 Theresia (Maria), römisch-deutsche Raiscrinn.
sprüche erhob auch König August I I I . von Polen, weil er Joseph's I.
altere Tochter, Mar ia Iosepha, zur Gemahlinn hatte, wobey er
vergast, dasi ihm nur die Waffen Carl's VI . den polnischen Thron ver-
schafft hatten. Spanien sprach die Lombardie für den Infanten Don
Phi l ipp an, nachdem Carl VI . dessen Garantie der pragmatischen
Sanction um den Preis beyder Sicilien für den Infanten Don Car-
los erkauft hatte, und Frankreich, stets eifersüchtig auf Österreichs
Macht, erhob sich, trotz des' Widerspruches des Cardinals Fleurh,
drohend für Car l Albrecht, den Sohn seines treuen Bundesgenos-
sen Max Emanuel , der durch französisches Bündniß unglücklich ge,
worden war. Der erste Angriff auf Österreich geschah übrigens von einer
Seite, von der man sich vielleicht am meisten gesichert glaubte. Fried-
rich I I . von Preußen, der kurz vorher in einem Alrer von 28 Jahren
unter den heiligsten Freundschaftsversicherungen gegen Osterreich den
Thron bestiegen hatte, siel, wahrend sich seine Abgeordneten noch in
Wien befanden, mit gewaffneter Hand in die österr. Staaten und for-
derte die Fürstenthümer Lieg n itz, Br ieg , Wohla u und Iagern-
dorf. Jeden Vergleich und Zusicherung von Hülfe seinerseits gegen
Abtretung dieser Provinzen aber schlug die hochherzige Frau mit diesen
Worten aus: Sie habe den Thron nichr bestiegen, um ihn zu zerstü-
ckeln. Weder das Ganze, noch die Hälfte Schlesiens könne sie abtreten,
und wolle der König Freundschaft halten und sich vergleichen, so müsse
er vor Allem ihre Erbstaaten verlassen; obwohl ihr kluge Männer riechen,
die Bedingungen anzunehmen, vorzüglich als der König später erklärte,
er wolle sich mit Niederschlesien begnügen. T. war die Große der Ge-
fahr wohl bekannt, in welcher ihr kaum bestiegener T^ron schwebte;
allein der Gedanke, daß man nur vielleicht dem Weibe zu entreißen
suche, was man dem Manne sicher gelassen hatte, verstattete ihr nicht
nachzugeben. Im Jänner 1741 war bereits ganz Schlesien, bis auf
G logau , Br ieg und Neiße, in preußischer Gewalt. Nach einem
zweyjährigen Reichsvicariate wurde Car l Albrecht den 24. Jan.
1742 als Carl V I I . zum römisch-deutschen Kaiser gekrönt, seine Trup-
pen waren, von den Franzosen unterstützt, mittlerweile in Osterreich ein.-
gedrungen, hatten Linz erobert und bedrohten Wien. Die Franzo-
sen und Sachsen eroberten Prag und die Spanier traten in Italien
sieghaft auf; die Preußen drangen tief in Mahren ein, die Bayern
waren bereits bis St . Pol ten vorgerückt, und ließen das unvorberei-
tete Wien auffordern; die Gefahr stieg mit jedem Tage. Doch trotz
diesen ungünstigen Umstanden verlor die große T. den Muth nicht. Sie
begab sich auf den Landtag nach Preßburg, wo sie 3 Monathe vor-
her die heil. Krone Ungarns empfangen hatte, und trat den 11, Sept.
1741 in den Versammlungssaal, voll Ernst und Würde, eröffnete den
Neuen Ungarn ihre Rechte, ihre Gefahr und die Treulosigkeit ihrer
Widersacher, und empfahl ihnen sich, ihr Kind, ihre Kronen, Ehre
und Freyheit. Von dem Anblicke der im blühenden Reize strahlenden
Königinn und von ihrer innigen Rede bewegt, bemächtigte sich der glü-
hendste Enthusiasmus der getreuen Ungarn, der tausendstimmige Ruf
erscholl: Hloriamur pro rege noölro Maria I^ieresia, und schnell
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe See-V, Band 5
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe See-V
- Band
- 5
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 604
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie