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358 Baue r , Fcrd. Lucas .
schätzt war, wurde den 20. Jan. 1760 zu Feldsberg in Niederöster-
reich geboren, wo sein Vater, Lucas B., als fürstl. Liechtenstein-
scher Hofmaler und vormahliger Inspector der Wiener fürstlichen Ge,
ma'ldegallerie in Pension lebte. Schon in früher Jugend von väterli-
cher Seite aus verwaist, war er sammt seinen 3 Brüdern I os. Ant. ,
Franz Andr. und Lucas B., seiner eigenen Bildung überlassen.
Ein angebornes Talent zur Malerkunst, das sich bey allen 4 Brüdern
schon sehr frühzeitig auf eine glanzende Weise aussprach, vorzüglich aber
bey Ferdinand und Franz zur Genialität erwuchs, führte alle auf
gleiche Bahn. Ohne Anleitung bildeten sie sich selbst zu Künstlern, und
wählten die Natur zu ihrer Leiterinn, die sie nachzuahmen strebten.
Der damahlige Prior des Barmherzigenklosters zu Feldsberg, ein
Freund der Pflanzenkunde, gewahrte bald die bedeutenden Talente. Er
suchte sie zu ermuntern und zu naturgetreuen Abbildungen vaterländi-
scher Gewächse zu benutzen. Auf diese Weise entstand eine große Anzahl
eben so getreuer, als prachtvoller Original-Zeichnungen, welche nach
dem Tode des Priors P. Boccius von dem Fürsten Aloys v. Liech-
tenstein erkauft wurden, und noch gegenwärtig in der fürstl. Bibliothek
aufbewahrt werden. Drey der Brüder gingen hierauf nach Wien , um
sich an der Akademie der bildenden Künste für ihr Studium auszubil-
den.^ Nur Lucas verließ die eingeschlagene Bahn, und widmete sich
der Ökonomie. Ferd. Lucas machte in Wien bald die Bekanntschaft
deS berühmten Nicol . v. I acqu in , der sein Talent zu pflegen wußte
und ihm ein zweyter Vater ward. Er lebte nun im Hause Ia cquin's
und verfertigte unter seiner Leitung eine große Anzahl von Original«
Zeichnungen zu dessen unsterblichen Werken. Der Zufall führte nun
1794 den englischen Botaniker S ib thorp nach Wien , wo er die
Bekanntschaft B.'s machte, und ihn bewog, mit ihm die Reise nach
Griechenland zu unternehmen. Von dieser Reise zurückgekehrt, kam
B. nun 1793 mit S ib thorp nach London, und lieferte die Zeich-
nungen zu dessen 1306 in London begonnener I^iora ßi-aeca, welche
noch immer fortgesetzt wird, und gegenwärtig ihrer Vollendung nahe
ist, welche er auch zum Theil selbst in Kupfer stach. B.'s ausgezeichnetes
Talent hatte bald in London die Aufmerksamkeit der Naturforscher
auf sich gezogen, die dasselbe auf vielfache Weise in Anspruch nahmen.
So verfertigte B. die wahrhaft bewunderungswürdigen Zeichnungen zu
Lambert's vesci-iption ol tke ^enu5 ?inu8, welche 1303 zu Lon-
don erschienen. Da sich durch diese Arbeiten B.'s finanzielle Verhält-
nisse bedeutend gebessert hatten und sein Sinn für exotische Pftanzenfor-
men in ihm den Wunsch rege machte, einen fremden Welttheil zu besu-
chen, so beschloß er auf eigene Kosten eine Reise nach Brasilien zu un-
ternehmen. Der Zufall wollte es, daß B.'s Wunsch auf eine für ihn
weit angenehmere Weise realisirt wurde. Sir Ios. Banks, dem er
sein Vorhaben mittheilte, ergriff diesen Gedanken, und machie B. den
Vorschlag, als Pstanzenmaler die Expedition des Capitän Fl inders
zu begleiten, welche eine Weltumseglung zum Zwecke hatte. B. nahm
sehr gerne diesen Vorschlag an, und betrat 1801 an der Seite Robert
Brown's, der als Botaniker und Schiffschirurg der Expedition folgte,
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie