Seite - 364 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe W-Z, Band 6
Bild der Seite - 364 -
Text der Seite - 364 -
364 Belal./Rönig v. Ungarn. —Bela IV., Rönigv.Ungarn.
Nela 1./ König von Ungarn, bestieg nach dem Tode seines Bru-
ders Andreas I. den Thron Il)61. Die heidnischen Ungarn verlang-
ten von ihm die Wiederherstellung des Götzendienstes mit Ungestüm.
Auf einem Reichstage sollte die große Sache entschieden werden. Wäh-
rend desselben traf B. Vorkehrungen, zog alle christlichen Ungarn und
viele deutsche an sich, übersiel die unvorbereitete Menge, ließ einige
hinrichten und zwang die andern zur Annahme des Christenthums.
Binnen kurzer Zeit ward die christliche Religion durch ganz Ungarn wie-
der herrschend und der Landfriede festgestellt. Dem Stürmender ihm
von Deutschland her drohte, kam B. durch einen Einfall in Osterreich
zuvor, ward aber von den tapfern Markgrafen mit Verlust zurückge-
drängt. Als er zum zweyten Mahle sich zum Einbruch rüstete, starb er
durch einen Sturz vom Pferde nach kurzer zweyjähriger Regierung 1063.
Ihm folgte sein Neffe Salomo.
Bela I I . , der Blinde, König von Ungarn, Sohn des Her-
zogs A l m u s. König Colomann, welcher seinem Sohne Ste-
phan I I . die Nachfolge sichern wollte, hatte ihn sammt seinem Vater
blenden lassen; nach Stephan's Tode jedoch gelangte B. zur Regie-
rung. Seine Gemahlinn Helena stand ihm in derselben mit ihrer
Wachsamkeit und ihrem durchdringenden Verstande getreulich bey. Er
erwarb das Königreich Rama oder Bosnien 1133 durch freywillige Un-
terwerfung. Nach seinem Tode 1141 hinterließ er 3 Sohne: Geysa,
welcher ihm auf dem Throne folgte, Ladislaus und Stephan.
Bela I I I . , König von Ungarn, Sohn Geysa I I . , folgte sei-
nem Bruder Stephan I I I . 1172. Er wurde vom griechischen Kaiser
Manuel Komnenus erzogen, und sollte von diesem zum Werk-
zeuge, Ungarn an das griechische Reich zu bringen, gebraucht werden.
Er war besonders mit der Geistlichkeit, die ihn der griechischen Religion
ergeben meinte und deßhalb nicht anerkennen wollte, in Streit. Um
sich des Thrones zu versichern, setzte er seine Brüder Arpad und Gey-
sa gefangen. B. regierte nun friedlich, that viel, das Land zu heben,
und brachte das unter seinem Vorgänger an die Griechen abgetretene
Dalmatien zurück. 1192 empfing erden durch Ungarn nach Palastina
ziehenden Kaiser Friedrich I I . sehr prächtig. B. starb 1196.
Bela IV., König von Ungarn, Nachfolger seines Vaters, An-
dreas I I . , bestieg den Thron 1235. Unter seiner Regierung fielen
1241 die aus dem Oriente gedrungenen Mongolen oder sogenannten
Tataren in Ungarn ein, und verwüsteten fast 3 Jahre hindurch das
ganze Land; da sie endlich keinen Unterhalt mehr fanden, so verließen
sie dasselbe nach Verübung der abscheulichsten Grausamkeiten. Nach ih-
rem Abzüge kamen die in Gebirgen und Höhlen verborgen gewesenen
Einwohner wieder zurück; auch der geflüchtete König fand sich wieder
ein. Der Mangelan Allem war so groß, daß fast kein zahmes Vieh
im Reiche zu finden war. B. ließ das Nothwendigste in benachbarten
Ländern aufkaufen, und führte viele neue Colonien aus Croatien,
Böhmen, Mähren und Sachsen in das Land; besonders trugen die Ku-
manen vieles zur Bevölkerung des Landes bey. Durch die Bemühungen
dieses würdigen Königs kam das Reich in den schönsten Flor. Die Tata-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie