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an den König von England, ebenfalls vergebens; dagegen fand er bey
den Londoner Particuliers, und vorzüglich bey einem Handelshause zu
Balt imore in Amerika, wohin er segelte, Unterstützung. Im Oc-
tober 1784 reiste er ab, ließ seine Gemahlinn in Amerika zurück, und
landete glücklich 1785 auf Madagascar. Als er hier aber Feindselig-
keitengegen die Franzosen anfing, schickte die Negierung von Bel le
Isle Soldaten gegen ihn aus. In einem Gefechte wurde er von einer
Kugel in die rechte Seite der Brust getroffen, und starb wenige Minu-
ten nachher. Dieß geschah im May 1736. B. hatte seine Begebenhei-
ten selbst französisch beschrieben. Wi l l iam Nicholson hat dieselben,
aus der Handschrift englisch übersetzt, herausgegeben; es bestehen meh-
rere deutsche Übersetzungen davon. Kotzebu^hat diesen merkwürdigen
Mann bekanntlich auf die Bühne gebracht.
Bergler, Ios., Bildhauer und Maler, wargeboren 1718auf B e r-
gelgütchen, einem kleinen Eigenthum in der Nähe der salzburgischen
Enclave in Tyrol, Windisch-Matrey. Die Elemente.der Bildhauerey
lernte er in früher Jugend bey einem unbedeutenden Künstler in Linz,
spater aber half der geschickte I. A. Pfäf f inger in Salzburg das
Kunsttalent des jungen Mannes entwickeln und erzog an ihm seinen
tüchtigsten Schüler. B. vollendete seine Ausbildung an der Akademie
zu Wien, wo er im Concurse des Jahres 1750 den ersten Preis,
eine goldene Medaille erhielt. Mit diesem Ehrengeschenke, welches er
aus denHanden der unsterblichen Theresia selbst zu erhalten das Glück
hatte, war die Befugniß, in allen Erbstaaten der Kaiserinn seine Kunst
auszuüben, verbunden. Er begab sich hierauf nach Salzburg, zog sich
aber von der zunftsteifen neidischen Unfreundlichkeit seiner Kunstcollegen
zurück und begab sich nach Schellenberg in Berchtesgaden, wo er bey dem
gefürsteten Abte Beschäftigung fand. Von hier erhielt er den Ruf an den
Passauer Hof, wo sr 1783 als Hofstatuar zweyer Fürst-Bischöfe starb.
Seine vorzüglichsten Hinterbliebenen bekannten Kunstwerke sind folgende:
Christus im Grabe, aufdem CalvarienbergezuSalzburg, woüberdieß
die meisten Passionsscenen und mehrere Statuen desh. Iohann von N e-
pomuk größtentheils seine Werke sind. Im Dome zuPassau die Mo-
numente des Bischofs Grafen Rabatta und des Fürst-Bischofs undCar-
dinals Grafen Lamberg; beyde von Salzburger Marmor. Wien be-
sitzt viele Arbeiten in Stein von B.'s Meißel; mehrere befinden sich in
den Lustschlössern des Fürsten Efzterh^zy in Ungarn. Zu Straß-
burg in Karnthen/ der Residenz der Bischöfe von Gurk,sind mehrere
größere und kleinere Figuren, auch mehrere Ohlgemälde von ihm. Hier
verfertigte er nebst diesen ein äusierst gelungenes Kunstwerk, das sich nun
als ererbtes Eigenthum im Stammhause der Grafen v. Truchsesi-Zeil
im Würtembergischen befindet. Der größere Theil der Statuen, Basre-
liefs, Guirlanden und übrigen Verzierungen am neuerbauten fürstbi-
schöfl. Residenzschlosse zu Passau ist von seiner Hand, oder nach sei-
nen Modellen verfertigt. Die colossalen Statuen und Kindergruppen von
Metall über dem doppelten imponirenden Portale aus Salzburger Mar«
mor, und die von gigantesken Kindern getragenen grosien Laternen auf
der schönen Hauptstiege sind ganz sein Werk; auch besitzen dort mehrere
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie