Seite - 369 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe W-Z, Band 6
Bild der Seite - 369 -
Text der Seite - 369 -
B e y e r. 369
reichende Waldungen, durch auffallend wenig zu Tage stehende Felsbil-
dungen und durch grosie Bewohnbarkeit aus. Alle nur einigermaßen
bedeutende Thaler sind bis zum Hauptrücken «des Gebirges hinauf be-
wohnt, und größtentheils die oft sanften selten über 15 Grade sich sen-
kenden Thalgrimde beackert, obschon die Höhen bis auf 5,300 Fuß an-
steigen. Die Bab ia-Gora 5,400 Fuß, die Lissa-Hora mit ihrem
höchsten Gipfel (der Gigula) 4,260 Fuß, sind aus dieser Kette beson-
ders bemerkbar. Albrecht v. Sydow hat in der neuesten Zeit die
Aufmerksamkeit auf diesen Gebirgszug durch seine 1827 dahin unternom-
mene Reise gelenkt, die er in einer eigenen Schrift (Berlin 1830) be-
schrieb. Auf diesem Gebirge entspringen dieOstrawitza und Olsa, welche
der Oder; die Biala, Sola, Skawa und Raba, welche der Weichsel
zufließen, die gleichfalls in diesem Gebiethe an den Bergen Züprow,
Mal in ow und Baran io entspringt.
Beyer, I oh . w i l h . , k. k. Hofstatuar und Kammerarchitekt,
war 1729 zu Gotha geboren. In früher Jugend kam er nach Pa-
r is, und fand dort Gelegenheit sich dem Studium der Zeichnenkunst
zu widmen, für welche er viel Talent und Vorliebe zeigte. Dort lernte
ihn auch der Herzog Car l Eugen von Würtemberg kennen, derben
jungen vielversprechenden Künstler liebgewann, und ihn auf seine Ko-
sten als Pensionär nach Rom schickte. Daselbst studirte B. mit uner-
müdlichem Fleiße die Meisterwerke der alten Kunst, und widmete sich
der Bildhauerkunst, für welche er ausgezeichnete Talente entwickelte.
Nach einem zwölfjährigen Aufenthalte zu Rom, wahrend welchem er
sich vollständig zum Künstler ausgebildet hatte, unternahm B. noch
einige Kunstreisen, auf deren einer er in Tyrol einen Marmorbruch
entdeckte, welcher ein, dem carrarischen Marmor nicht unähnliches
Product lieferte. 1752 begab er sich an den Hof seines fürstlichen Gön-
ners nach S t u t t g a r t , wo er für das Residenzschloß und die Herzogs.
Gärten daselbst mehrere gelungene plastische Arbeiten verfertigte. Sein
Ruf hatte sich nun schon so weit verbreitet, dasi ihn bald darauf die
Kaiserinn M a r i a Theresia nach Wien berief, zum Hofmaler,
Hofstatuar und Kammerarchitekten ernannte, und ihm die Verfertigung
der Bildsäulen in dem Garten zu Schönbrunn auftrug. Er bediente
sich zu diesem Zwecke des Marmors aus dem von ihm in Tyrol entdeck-
ten Steinbruche, welcher mit bedeutenden Kosten daselbst gebrochen und
nach Schönbrunn geschafft wurde. B. selbst verfertigte folgende
Statuen und Gruppen: Be l lona, von Ianus besänftigt; Raub der
Helena, eines der gelungensten Werke unter denselben; F lora; Per-
seus, nach dem Kampfe ruhend, das Medusenhaupt haltend; Melea-
g e r, mit dem Kopfe des erlegten Ebers; Apol lo neben dem Dreyfuß,
auf dem die Lyra ruht, die mindest gelungene von B.'s Arbeiten; eine
Bacchantinn; eine Nymphe; Aspasia; Iason; Angeronia, die
Göttinn der Verschwiegenheit; Ka l l iope, die Muse der epischen Dich-
tung. B.'s schönstes Werk ist unstreitig die Bildsäule der Nymphe Ege-
ria in dem Tempel des sogenannten schönen Brunnens, neben welchem
sich noch 3 Bildsäulen von seiner Hand befinden: Cybele mit der Mauer-
krone, Eurydice undCincinnat, wie er vom Pfluge zur Dictatur de-
Oesterr. Nat. Encykl. Vd. VI. 24
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie