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390 C a st e l l i.
wegen kam er vor Klause nbürg , undIsabel la , welche die drin-
gende Gefahr fühlte, ließ die belagerte Stadt übergeben. C. verhinderte
die Plünderung, ließ aus der Schatzkammer den Schmuck dieser Prin-
zessinn, nebst allem kö'nigl, Gerätbe, nach Mühlen bach abliefern,
und war in seinen mündlichen Unterhandlungen mit ihr so glücklich, daß
sie Ferdin an d's billige Bedingungen dem zweydeutigen osmamschen
Schutze vorzog, auch Kronstadt und Kaschau übergab, auf dem
Landtage zu Klausen bürg die heil. Krone mit den übrigen Reichs-
kleinodien auslieferte, uud Siebenbürgen und Niederungarn feyerlich
abtrat. Der Feldherr nabm für König Ferdinand die Huldigung der
Stände ein. Er versah Temesvär und Lippa mit hinlänglicher Be-
satzung, ließ ihre Werke verbessern, und auch andere Städte und Schlös-
ser in haltbaren Stand herstellen, eine nicht unnöthige.Vorsicht; denn
die Pforte mischte sich aufs Neue in die siebenbürg. Angelegenheiten, und
drang 155l mit einem zahlreichen verwüstenden Heere ein, welches
Becskerek, Csanad, Lippa und andere feste Plätze in der Elle weg-
nahm, und sich vor Temesvär setzte: C.'s und seiner Mitgenerale
Tapferkeit eroberte Lippa nach einem Sturme, bey welchem Spanler ^
Deutsche, Italiener und Ungarn in Thaten der Entschlossenheit wettei-
ferten, zurück, nicht ohne großen Verlust des Feindes, der, um den
freyen Abzug aus dem Schlosse zu erhalten, auch Csanäd übergab,
und dadurch von Temesvär sich dießmahl noch abschrecken ließ. Ein
fast gefahrlicherer Feind ward in dem Cardinal Georg M a r t i n ecz
aus dem Wege geraumr, dessen geheime Verbindungen mit den Türken
kein Geheimniß mehr waren. Indeß lebte sein Anhang besonders unter
den Szeklern. Das durch fremde Ränke angefachte Mißvergnügen ver-
mehrte die Ausschweifungen der ausländischen Truppen, die ihren Sold
unrichtig erhielten, und so gute Maßregeln C. sonst nehmen mochte, so
waren dock die Unglücksfälle des folgenden Jahres 1552 nicht mehr abzu-
wenden. Schon die Nahmen der Befehlshaber, die er in den Hauptfestun-
gen zurückließ, wieBathory und Losoncz, beweisen für seine An-
stalten. Er selbst ging nach Wien um weitere Vollmachten, ward aber
von seinem Monarchen zurückberufen, der ihn gegen Frankreich gebrau-
chen wollte, wo er auch zur Einnahme von Tero uane und Hesdin
1553 das Seinige beytrug. Unter Ph i l ipp I I . diente er gegen die
Franzosen in Piemont, und war nach hergestelltem Frieden, weil in
Frankreich der Bürgerkrieg aufloderte, bestimmt, spanische Hülfsvöl-
ker dahin zu führen, als ihn 1562 zu Ma i l and der Tod erreichte.
Car l V. belohntemitderMarkgrafschaftCassan o und andern Gütern
in der Lombardie die Dienste de§ trefflichen Mannes, wie er es ver-
dien e. Die Zeitgenossen wünschten, und die Nachwelt wünschte es ihnen
nach, daß im schmalkaldischen Kriege seine Meinung, die auf Schonung
ging/ Gehör gefunden hatte.
* Castelli, Ignaz Franz. Von seinen Wiener Lebensbildern er-
schien eine 2. Auflage (2 Bdchn., Wien 1835), und von seinen Ge,
dichten eine 2. Ausgabe (in 6 Bdchn., Berlin l835), wovon der 6.
Theil zu den 5 ersten der Wiener Auflage paßt.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie