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39l Chaos'sche Stiftungen.
zu Wien den 2. Februar 1663 errichteten, und den 6. August 1663
bey der niederösterr. Landschaft eröffneten und publicinen Testaments
und Codicills nachstehende ewige Stiftung, und man schloß mit den
Erecutoren der freyherrl. v. Chaos'schen Stiftung und den Superinten-
denten und Spitalmeister des Wiener Bürgerspitals den 23. Ma>z 1675
einen Conttact, daß nähmlich genanntes Bürgerspital 60 Stiftungs«
knaben und die dazu gegebenen Aufsichtspersonen in allem unterhalten,
und dafür dasselbe jährlich aus der Ch.'schen Stiftungscasse 5,000 Gul-
den erhalten solle. Dieser Contract wurde aber mit einstimmiger Er-
lauhniß zum bessern Nutzen für beyde Theile wieder aufgehoben, und
mit Beytretung der Freyh. v. Ch.'schen Testaments. Erecutoren zu
Wien den I.April l736 beschlossen und folgender Contract errichtet:
Daß nähmlich 1) der vorerwähnte Contract wegen den Freyh. v. Ch.'-
schen Stiftungsknaben mit dem Bürgerspitale gänzlich aufgehoben, da-
her auch demselben kein Geld abzuführen sey; 2) verpflichten sich die
Testaments-Erecutoren der genannten Stiftung, aus der Bürgerspi-
ta's 5 Jugend sogleich 20 Knaben in ihre Versorgung zu übernehmen,
und so fortwahrend jährlich 5 Knaben, welche noch nicht über 12 Jahre
alt, und nach Belieben von den Erecutoren zu wählen sind, in die
Ch.'sche Stiftung aufzunehmen, welche gleich den übrigen Stiftsknaben
behandelt werden sollen; 3) daß die Auswahl der Knaben jederzeit den
Testaments-Executoren allein gebühre, und daß ihnen erlaubt sey, um
eine gute Wahl zu treffen, die Knaben auf.1-4 Tage zur Probe hin-
ein;unehmen; 4) daß die freyherrl.v. Ch.'sche Stiftung ihre Waisenkna-
ben mit allem Erforderlichen versehe, wozu dieselbe ursprünglich jähr-
lich 8,000 Gulden beygetragen, vermög Regierungsverordnung vom
13. Dec^ 1322 aber nur 4,783 Gulden jährlich an diesen Fond einzu-
zahlen hat. Das Stiftungscapital besteht in 202,030 Gulden in Staats-
schuldoerschreibungen. Ferner besteht eine Ch.'sche Stiftung bey der In-
genieur - Akademie. Ch a o s setzte in seinem letzten Willen die Findet-, un-
erzogenen Hausarmen- und Waisenkinder zu Erben seines Vermögens
ein, und verordnete, daß eine Wohnung unter der Direction des Wie-
ner Stadtraths unter seinem Nahmen aufgerichtet, und dahin so viele
arme Kinder, als es das Vermögen zulassen würde, aufgenommen,
und mit allem Nöthigen versehen werden sollen. Nach seinem Tode
wurde diese Stiftung gleich ausgeführt, und für die Stiftlinge das
Haus in der Kärnthnerstraße rückwärts des Bürgerspitals zum Erzie-
hungsorte gewidmet. 1746 hatte die Ch.'sche Stiftung einen Grund,
und einen Theil des Gebäudes an die Herzoginn von Savoyen, geborne
Fürstinn von Liechtenstein abgegeben, da dieselbe ihre adelige Aka-
demie stiftete. Am 1. Nov. 1754 mußten die ursprünglichen Ch.'schen
Stiftlinge ihr Wohnbaus auf der Laimgrube der Kaiserinn Maria
Theresia zu der errichteten adeligen Militär-Akademie abtreten. Sie
wurde von da in das Brem er'sche Haus in der Währingergasse, am
30. April 1767 aber in das Waisenhaus auf dem Rennwege übersetzt.
Vermög des wegen dieser Übersetzung erlassenen Hofdecrets vom 27.
April 1707 ward die damahls in 82 bestandene Anzahl Stiftlinge,
weil dadurch die Regiekosten und die Lehrer, die ohnehin im Waisen-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie