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erstes Geschäft war, aus seinen schon damahls bedeutenden Vorräthen
eine Sammlung deutscher Schmetterlinge zusammenzustellen, und der-
selben durch Beyfügung einer großen Anzahl von Raupen und Puppen,
die er trefflich zu prävarircn verstand, einen höhern wissenschaftlichen
Werth zu geben. Diese Sammlung, welche in der kurzen Zeit von 3
Jahren schon einen hohen Grad von Vollständigkeit erreicht hatte,, fand
bald an dem bekannten. Entomologen Schmerfeld zu C a s s e l
einen Kaufer. Hierauf bekam D. 1300 einen Ruf vom Grafen v. Hoff-
mannsegge, um ihn auf seinen naturbistorischen Reisen durch ganz
Deutschland zu begleiten. Auf diesen Reisen brachte D. 2 Jahre zu, und
begann, da er hierdurch seinen Vorrathen einen ungeheuern Zuwachs
verschafft hatte, seinen Naturalienhandel wieder^on Neuem. 1800ging)
er nach Osterreich, machte sichdaselbst in 5er nächsten Umgebung Wien's,
zu Hack in g ansaßig, und betrieh sein Geschäft mit leidenschaftlichem Eifer.
D. hatte damahls schon den ausgebreitetsten Insectenhande! in Europa
und den größten briefiichen Verkehr mit den meisten Gelehrten, Kenn,ern
und Freunden der Entimologie. 1310 unternahm er einen naturhistori-
schen Aussiug nach Körnchen, 1811 nach Oberungarn und 1812 nach
Illyrien. Bey seiner Rückkehr stellte er züm zweyten Mahle eine sehx,
bedeutende Sammlung und zwar europäische Schmetterlinge zusammen,
sammt ihren Puppen und Raupen, und den Pflanzen, worauf dieselben
leben. Auch diese Sammlung erreichte während des kurzen Zeitraumes
von 3 Jahren einen hohen Grad von Vollständigkeit und kam.in,>die
Hände des holländischen Entomologen Wellens nach Antwerpen.
Hierauf machte D. 1320 abermahls eine Reise nach Ungarn, und 1321 und
1322 nach dem Banctte, wo er ungemein viele Entdeckungen machte,
und reich beladen mit Naturalien zurückkehrte. Auf dieser Reise begann
D. auch sein Augenmerk auf Conchylien und Reptilien zu richten, und
fand seinen Eifer durch das Auffinden so mancher seltenen und noch
ganzlich unbekannten Art belohnt. 1324 unternahm er hierauf eine Reise
nach Dalmatien, 1325 nach Toscana, 1826 nach Sardinien, 1L27
nach Illyrien, und 1823 nach Sicilien, woselbst er durch 13 Monathe
verweilte, und von wo er überall mit einer ungeheuren Ausbeute zurückkam.
Doch bald nach seiner Rückkehr starb er am 1. Jan. 1831 zu Wä'h r ing
nächst Wien. D. war unstreitig der geschickteste Sammler, der größte
practische Entomologe, und unermüdet in seinem Geschäfte. Seinem
glühenden, immer regen Eifer ist es gelungen, die Natur selbst auf
ihren geheimsten Wegen zu belauschen. Ihm verdankt die Wissenschaft,
M der Entwicklungsgeschichte der Insecten, sein Lieblingsfeld, das er
bebaute, die größten Fortschritte und umfassendsten Entdeckungen. D.
war der Entdecker einer großen Anzahl neuer Insecten - Gattungen, und
von mehr denn 1,000 neuen Arten, vorzüglich Käfern und Schmetter-
lingen^ und unter letzteren besonders Eulen. Aber nicht allein die En-
tomologie, sondern auch die Conchyliologie und Herpetologie verdankt
ihm viele neue Entdeckungen. Er hat sich ein bleibendes Verdienst um
die Wissenschaft erworben, und sein Nahme wird stets in derselben fort»
leben. Seine Sammlungen kamen nach seinem Tode in die Hände des
Entomologen Heeger.
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie