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Dampfmaschinerie. — Dampfschissfahrt.
Dampfmaschinerie (überhaupt). Die erste Dampfmaschine in
Deutschland wurde von einem Österreicher, Ios. Eman. Fischer v. Er-
1 ach, errichtet (wie in seinem Art. im Hauptwerke erörtert). Er erbaute 2
Maschinen dieser Art nach dem Muster der zuerst in England in den
Kohlenbergwerken benutzten und mit Steinkohlen geheizten Dampfma-
schinen, und zwar die eine l?21 zu Cassel im Residenzschlosse des
Landgrafen Carl von Hessen (die aber wegen der zu großen Kosten nicht
ausgeführt ward), die andere vollendete er zu Wien im Garten des
Fürsten Franz Adam v. Schwarzenberg am Nennwege. Fast
zu gleicher Zeit wurde eine dritte Maschine dieser Art in einem, wegen
Menge des Waffers aufzugebenden Bergwerke zu Königsberg in
Ungarn von dem Englander Zsaac Po t te r hergestellt, und dadurch
taglich über 20,000 Eimer Wasser aus einer Tiefe von 20 Klafter über
2 Jahre Tag und Nacht hindurch herausgehoben, bis dieses Bergwerk
wieder bebaut werden konnte. Fischer sagt in einem Schreiben vom
23. Iän. 1725 über die Wirkung der von ihm erbauten Dampfmaschine
Folgendes: „Diese Maschine hat eine Kraft, 25 Satz-Röhren, jede von
6 Zoll im Durchmesser, und 4 Klafter lang, zu heben oder zu regieren,
mit einer Geschwindigkeit, daß wenigstens 14 Hub, jeder von 6 Fuß
hoch, geschehen. Zum Exempel, wenn das Wasser nicht höher als 4
Klafter hoch zu heben, so kann die Maschine alle 25 Satz - Röhren oder
Kolben, welche neben einander stehen, auf ein Mahl heben, und also
25 Ausguß Wasser in dem Hub bewirken; ist aber das Wasser auf 100
Klafter zu heben, so müssen die 25 Satz-Rohren unter einander anstatt
nebeneinander gesetzt werden, was also jedem Hub nur einen Ausguß gibt,
nähmlich den obersten, weil die untersten nicht zu zählen sind." Der Bau die-
ser Maschme, die man damahls Feuermaschine nannte, kostete an 20,000
Gulden. Sie wurde zum Treiben eines Springbrunnens benutzt, „ein
Wunder, welches," nach der Bemerkung eines neuen Berliner Histori-
kers, „sich in dem Lustgarten zu Ber l in mehr als 100 Jahre später be-
gab." Die Monathschrift: Das merkwürdige Wien, oder monathliche
Unterredung von verschiedenen daselbst befindlichen Merkwürdigkeiten dcr
Natur und Kunst, gibt im Februarhefte, Wien 1727, und aus der-
selben Küchelbecker, in seiner Nachricht vom kaiserl. Hofe (Hannover
1730) eine mit einer Abbildung in Kupfer begleitete Beschreibung. Vergl.
Fischer v. Erlach 2). Eine sehr lelenswerthe Notiz hierüber liefert
in der Wiener Zeitung 1336 Nr. 133 der würdige Gelehrte und viel-
verdiente vaterländische Schriftsteller E.TH. Hoh l er (s. d<).
* Dampfschifffahrt. Neuerlich hat diese bequeme, sichere und
schnelle Expedition zu Waffer eine große Ausdehnung und viele Verbesse-
rungen erhalten, so daß,sich diese seit Kurzem begonnene grandiose Un-
ternehmung bereits einer sehr großen Ausdehnung erfreut, und die Herr,
lichsten Resultate eines ausgebreiteten Verkehrs nach allen Richtungen
in der Zukunft erwarten laßt. Gegenwärtig befahren schon 7 Dampf-
boote in folgender Ordnung , die Donau zwischen P r e ß b u r g ,
Pesth, Seml in , Ga l lacz , Constantino pel und Smyrna :
1) Pannonia, das kleinste dieser Fahrzeuge von 36 Pferde Kraft,
befahrt die Strecke von Preßburg nach Pesth, und wenn es dcr
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie