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E i s e n b a h n e n . 427
Magazinen in Dwory , Wiel iczka und bey Bochnia aus50Jahre
erhalten. In Folge kaiserl. Entschließung vom 9. April 1336 führt auf
Ansuchen des Freyh. v. Rothschild die privilegirte Eisenbahn den
Nahmen: „Kaiser Ferdinand's Nordbahn." Diese Eisenbahn soll sich
vonBochnia aus, längs der Weichsel, Oder, Beczwa und den March-
thalern bis nach Spitz nächst Wien ziehen, und auf dieser Strecke
Wiel iczka, Krakau, die Nähe von Bie l i tz , dann Oderberg,
Mahrisch-O strau, Weiskirchen, Leipnik, Prerau,Krem-
sier, Hradisch, Gö'ding und Lundenburg berühren, also
auf einer Strecke von mehr als 67 deutschen Meilen, alle nördlichen
und nordöstlichen Provinzen mit der Residenzstadt durch ein äußerst leich-
tes und wohlfeiles Communicationsmittel verbinden. Von der Ausfüh-
rung dieses großartigen Planes lassen sich die überraschendsten, günstig-
sten Resultate erwarten. Noch existirt nirgends eine Eisenbahn von sol-
cher Ausdehnung und nirgends vereinen sich w?'e hier so äußerst vortheil-
hafte Elemente; hier treten so viele natürliche, politische und industrielle
Vortheile ein, theils durch die günstige Lage des Bahnzuges, vorzüg-
lich aber durch die Richtung der Eisenbahn selbst, die ein Terrain durch-
streift, das mehr als H eben genannt werden kann, so daß schon durch
die Trace das fortschaffende Moment gegen jenes auf einer gewöhnli-
chen Straße oder Chaussee auffallend gewinnt; auch lassen sich, wie
ebenfalls beabsichtigt wird, mehrere gleichfalls im günstigen ebenen Ter-
rain hinstreichende Seitenflügel aus Böhmen und Ungarn anschließen,
und wird endlich, wie es auch im Plane liegt, die Eisenbahn von Wien
bis zur adriatischen Seeküste fortgeführt, so verschlingen sich die ent-
ferntesten Puncte des großen KaiserstaateS auf das innigste, und Wien
wird dadurch zum Mittelpuncte und Hauptstapelplatz des mitteleuropäi-
schen Hanoels, so wie des Handels zwischen dem Mittelmeere, und
dem Norden und Nordosten Europa's, und gelangt dadurch auch in
mercantilischer Hinsicht zu einer so ausgezeichneten Stellung, wie sie in
politischer, technischer und artistischer, schon lange behauptet. Dernach-
stehende Auszug aus dem am 22. Februar 1836 erschienenen Programm
gibt das nähere Detail über die Bildung des Actien - Vereins zur Aus-
führung der projectirten Eisenbahn zu erkennen: „Se. Maj. der Kaiser
geruhten dem S. M. Freyh. v. Rothschi ld, ein ausschließendes
Privilegium auf die Anlage einer 60 deutsche Meilen langen Eisen-
bahn von Wien nach Bochnia in Galizien, nebst den Seitenbah-
nen nach B rünn, Olmütz, Troppau, Dwory und Wiel icz-
ka zu verleihen, und die Benützung derselben zum Transporte von
Personen, Producten, Waaren aller Art und Hausthiercn, auf 5l)
Jahre mit der Befugniß zu gestatten, daß auch nach Ablauf dieser Frist,
bey der Staatsverwaltung die Verlängerung dieses ausschließenden Pri-
vilegiums angesucht werden könne, und daß in jedem Falle aber diese
Eisenbahn cum appei-t. an Grund und Boden, so wie an Gebäuden,
nebst dem gesamnnen I^uncius in5trucw8 fortwährend das Eigenthum
der hierauf zu bildenden Actien-Gesellschaft bleibe, welche das Trans-
ports-Geschäft auch fernerhin zu betreiben berechtigt seyn wird, wie
dieses die Privilegiums-Urkunde ausführlich darthut. Die wichtigen
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie