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436 Ferdinand von lLste, Erzherzog. — Ferg.
und am 3. die Erbhuldigung Böhmens, Mährens und Schlesiens, der
hergebrachten Gewohnheit gemäß, und am 7. die Krönung des Kaisers
als König von Böhmen, durch den Prager Erzbischof in der Metropoli-
tankirche, Statt fand. Nach dem Bankette zeigte sich der Monarch auf
dem Balcon des Oeorgshofes dem Volke, welches seinen König mit
begeistertem Iubelrufe empfing. Am 22. Sept. ist der Kaiser mit der
Kaiserinn überIglau undZnaym zurückgekehrt. Die Bürger und Be-
wohner Wien's fanden sich von dem Wunsche beseelt, ihre Treue und
Anhänglichkeit bey diesem erfreulichen Anlasse auf feyerliche Art an Tag zu
legen. Da jedoch der Kaiser jede größere Feyerlichkeit vermieden wünschte,
so ward sich darauf beschrankt, daß das Bürger, Militcr paradirte, die
Kanonen der Bürger die glückliche Ankunft von den Wällen verkündigten,
und der Bürgermeister eine Bewillkommungs-Adresse überreichte, wor-
über ihm und der Bürgerschaft die volle Anerkennung und Zufriedenheit
des Kaisers eröffnet wurde.
* Ferdinand (Carl Joseph) von Este, Erzherzog von^Dster-
reich, wurde 1836 zum Feldmarschall befördert. " _ ^ ^
Ferg, Franz, talentvoller Maler, war geboren zu Wien
1689. Entschiedene Neigung zur Kunst schon in frühester Jugend füh-
lend, verließ er nach Vollendung der humanistischen Studien, die ge-
lehrte Laufbahn, für die ihn sein Vater, ein mittelmäßiger Maler,
bestimmt hatte, und gab sich mit ganzem Eifer seiner Lieblingsneigung
hin. Anfangs gerieth er unter die Leitung eines elenden Sudlers, wel-
cher, wenn es möglich gewesen wäre, jeden Funken geistigen Aufstre«
bens erstickt haben würde, ein günstiger Zufall machte ihn jedoch nach
einiger Zeit mit begabteren Künstlern bekannt, die sein emporkeimendes
Talent erkannten, achteten und unterstützten; unter deren Leitung sich
auch seine Fähigkeiten bald und glänzend entwickelten. Durch den damahls
geachteten Maler Thiele nach Dresden eingeladen, begab sich F.
dahin und verlebte daselbst einige Jahre in den glücklichsten Verhält-
. niffen, stets auf das eifrigste mit der Kunst beschäftigt. Um 1740 wan-
delte ihm die Lust an, sein Glück in London zu versuchen, er begab
sich dahin, die Traume des gehofften Glückes verschwanden jedoch bald,
er hatte gleich anfangs mit den drückendsten Nahrungssorgen zu käm-
pfen. Seine Ehe mit der Tochter eines armen Porträtmalers wurde,
obschon durch heiße Liebe geknüpft , die Quelle noch bittrerer Leiden.
Ihre sich allmahlig entwickelnden bösen Eigenschaften, worunter Ranke-
sucht, Launen und Hang zur Verschwendung nicht die geringsten waren,
vergällten ihm das Leben, und brachten ihn dem Bettelstab nahe. Der
Giftstoff jedes künstlerischen Talentes, kummervolle Lage und Nährung-
sorgen, untergrub auch F.'s Gesundheit, und er starb in der Kraft
seiner Jahre, ohne das geleistet zu haben, was man bey glücklichen
Umständen von seinem Talente erwarten konnte. Kenner loben indessen
die Richtigkeit seiner Zeichnung und die Leichtigkeit seiner Ausführung.
Seine Muster waren Seb. Leclerc und I a cq ues Cal lo t gewesen.
Sein vorzüglichstes Werk, eine Reihe von Charakterzeichnungen, erschien
zu London unter dem Titel: (^pricci 6i I?r. I'
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie