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Festetics. — Firmian, die Grafen und serren. 437
Festetics v. Tolna, Veor j Graf , k. k. geh. Rath, corre.
spondirendes Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zuGött ingen,
war 1754 geboren. Sein Vater, der Kammerpräsident Pau l v. Feste-
l ics, spater in den Grafenstand erhoben, ein Liebling der Kaiserinn
und Königinn Mar ia Theresia, baute das Schloß zu Keszrhely
und die Beamtemvohnungen; er legte einen sehr großen Obstgarten,
an verschiedenen Orten schöne Alleen und für die Seidenzucht eine Maul-
beerplantage an, welche eine der ersten in Ungarn war. Aber den Ruf,
dessen Keszthely (s. d.) genießt, gründete sein Sohn Georg. Nach
vollendeter vollkommener Ausbildung weihte sich dieser dem Waffendien-
ste des Vaterlandes. 1790 resignirte er seine Stelle als Oberstlieutenant
bey einem Husaren - Regimente und seitdem widmete er sich ganz der
Verwaltung feiner weitläufigen Güter, und stiftete 1793 das jetzt noch
blühende Georgikon zu Keszthely, eine theoretisch-practische wissen-
schaftliche Anstalt für alle Zweige der Landwirthschaft, die zur Vermeh-
rung wissenschaftlich gebildeter Ökonomen im Lande sehr viel beytrug,
und auch fortan beytragt, daher eine wahre Wohlthat für Ungarn ist.
Der Unterricht fing am 1. Nov. 1798 an, und wurde seitdem viel er-
weitert. Nahmentlich ward mit dem 1. Nov. 1802 ein physikalisch-vete-
rinärischer Lehrcurs von 3 Jahren eingeführt. F. stiftete überdieß die
katholisch - lateinische Schule in dem ehemahligen Franciscanerkloster, wel-
che er zu einem Gymnasium von 5 Classen erhob, und damit ein adeli-
ges Convict verband; ferner eine aus 3 Classen bestehende Elementar-
schule, dann eine Bürgerschule, eine Zeichnen- und eine Musikschule,
ein Landschulmeister-Seminarium, ein Hospital, worin mittellose Kranke
unentgeldlich aufgenommen werden, ein Bad, welches er bey der na-
türlich warmen Quelle des Baches Hoviz anlegte. Dem Reichstage von
1302 offerirte Graf F. 40,000 Gulden C. M. zur Errichtung einer
Militär-Akademie in Ungarn. In Pesth stiftete er 1802 ein Convict,
und verlegte das in Keszthely bestandene 1808 nach Öden bürg.
Die Zöglinge haben dort Kost, Unterricht und Kleidung frey; letztere
ist Uniform, und zwar die zur Galla national von rothem Tuche. 1814
errichtete er eine Schafpockenimpfungs-Anstalt zu Keszthely. — Es
ist merkwürdig, daß von diesem um sein Vaterland in jeder Hinsicht so
verdienstvollen Manne bisher nirgends eine biographische Nachricht erschien.
Er starb den 2. April 1819 zu Keszthely.
* Feuchtersleben, Ernst Freyh. v. l326 erschienen zu
S t u t t g a r t seine „Gedichte."
F i rmian, die Grafen und Herren, schon ein alt-berühmtes, seit
1831 durch den Tod des Wiener Fürst-Erzbischofs Leopold Maximi -
lian im Mannsstamme erloschenes Geschlecht, welches aus Tyrol
stammte, und daselbst das Schloß und die Herrschaft S ieg munds-
kron (vor diesem ebenfalls F i rm ian genannt), nebst mehreren Gü-
tern besaß. Auch in Osterreich ob der Enns und in Salzburg war es
begütert. Das Schloß Leopoldskron im Salzburgischen war die
Majoratsherrschaft. Früher besaß das Geschlecht auch das Erbmarschall-
amt des Hochstiftes Tr ient bis zu dessen Secularisirunq. 1723 wurde
eS mit Franz Alphons Georg Freyh. v. F. (gest. 1743) durch Kai-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie