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Grün. — Grünbaum. 465
zurück, und übte dort seine Kunst, in welcher er sich von der Akademie
der bildenden Künste mehrere Preise erworben hatte, aus, um welche
Zeit er auch zum Mitgliede dieser Akademie ernannt wurde. Ein sehr
gelungenes Brustbild des Erzherzogs Car l , das er aus carrarischem
Marmor für den Wiener und dann für den Münchener Hof verfertigte,
ist unter andern Arbeiten G.'s aus jener Periode seines Lebens. Spater
erhielt er eine Sendung nach Austerl itz, wo Fürst Kaunitz eine
ganz neue Kirche erbauen ließ, und G: mit noch 2 Bildhauern die er-
forderliche Bildhauerarbeit in diesem neuen Gotteshause zu besorgen
hatte. Die 13 Apostel in Riesengröße, und alle AltarlMter,in Bas-
reliefs aus Gyvs, sind alldort als wahre Kunstwerke unter seiner Lei-
tung hervorgegangen. An der Errichtung eines der herrlichsten Kunst-
werke, nähmlich des berühmten Denkmals am Iosephsplätzs in Wie«/
hat G. unter der Direction Zau ner's, einen vorzüglichen Antheil ge-
nommen. Nach Vollendung dieses Kunstwerkes wurde dem geschickten
Theisnehmer^G. eine ansehnliche Summe in Gold, als Zeichen kaiserl.
Zufriedenheit zugestellt. In Folge der langen und schweren Kriege und
bey vorgerückten Lebensjahren gab es keine bedeutende Arbeit für diesen
Künstler mehr, under beschäftigte sichln Wien mit Verfertigung von
AlabasterMuren. Er starb zu Wien am I. April 1813. /
* G r ü n , AnastastUS; 1835 erschien von ihm in Leipzig:
„Schutt; "Dichtungen, unter densn. sich „Cincmnatus" auszeichnet, und
1836 schon eine I. Auflage (eb.). Von seinem Epos: Dtzr.letzte Ritter,
soll eine 3. Austage in Stu t tga rt erscheinen. >.
Grünbaum, Therese, ist um 1?85 zu Prag geboren, wo-
selbst ihr Vater-, der ausgezeichnete Localcomponist Wenzel Mü l le r
(s. d.), damahls Capellmeister war. Unter seiner Leitung erhielt sie eine
vortreffliche musikalische Ausbildung,, zu welcher noch geschickte Meister,
welchen er sie nach seiner Übersiedlung in W i e n anvertraute, nicht
wenig beytrugen. Ihre große Geläufigkeit, der Wohlklang ihrer Stim-
me, verbunden mit wahrhaft dramatischem Ausdruck und einem einfach
edlen Spiele erwarben ihr solchen Ruf, daß man sie allgemein „die deut-
sche Catalani" nannte, mit welcher sie indessen, weder dem Umfange,
noch der Kraft ihrer Stimme nach, füglich zu vergleichen war. Die thea-
tralische Laufbahn betrat sie zuerst um 1312 in Prag , wo sie allge-
meinen Beyfall erhielt; dann glänzte sie auf den Leipziger und Dresdner
Bühnen, bis sie endlich 1816 ein Engagement im Wiener k. k. Hofopern-
theater nächst dem Kärnthnenhore erhielt, und sich eine Reihe von Jah-
ren hindurch daselbst in mehreren Rollen großen Beyfalls erfreute, obschon
es auch nicht an Gegnern fehlte, welchen sowohl die Auffassung als auch
die Ausführung mehrerer ihrer Hauptrollen nicht recht zusagen wollte.
Ihr zunehmender Embonpoint wirkte auch in der Folge ziemlich stö-
rend auf mehrere ihrer Leistungen ein, die Grazie und Beweglichkeit
erforderten, obschon die Haupteigenschaften einer guten Sängerinn,
Wohllaut der Stimme und zweckmäßiger Vortrag dadurch nicht im
mindesten litten. Sie trat, nachdem sie auch einige Mahle in den
italienischen Opern gesungen hatte, um 1830 von der Hofbühne ab,
bereiste Deutschland, wo sie auf mehreren Bühnen Gastdarstellungen
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Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie