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H u n y a d, I oh,
mehrere Große des Reichs, und Wlad is law bemächtigte sich des grö-
ßern Theils desselben. Den hieraus entstandenen Bürgerkrieg endete ein
Vergleich und der plötzliche Tod der Königinn. Schon 1433 brachte H.
den Türken, bey denen mancher Vertriebene Hülfe gesucht hatte, in
Verbindung mit dem rascischen Despoten Georg, eine schwere Nie-
derlage bey. Als Sultan Murad dafür die Gegend bey Be lg rad
verwüsten ließ, erlegte H. seinen Feldherrn, vernichtete zwey in Sie«
benbürgen eingedrungene türkische Heere, und eroberte die bulgarische
Stadt Sophia. Das Unglück schreckte den Sultan, der (1440) mit
Ungarn einen zehnjährigen Stillstand schloß. Dessenungeachtet versuch-
ten türkische Heere in den beyden folgenden Jahren Siebenbürgen zu
verwüsten, was H. durch zwey große Siege hinderte. Bis in die Wa»
lschey drang H. dem fliehenden Feinde nach, streifte bis nach Thrazien
mit seinen Reitern, und nöthigte die Woywoden der Walachey und der
Moldau zur Unterwerfung. Als treuer Anhänger des polnischen Königs
verwarf H. die von der verwitweten Königinn ihrem Gegner vorgeschla-
genen Vergleichsbedingungen, nach welchen Halicz, Podolien und die
Moldau dem polnischen Reiche zugesichert wurden. Eher das Äußerste
wölke H. wagen, als eineZerstückelung Ungarns bewilligen. Ein neuer
Sieg über die Türken belebte seine Hoffnungen und das Hochgefühl der
Nation. M u r ad wollte die bey Hermann st a d t erlittene Schlacht
rächen, und 80,t)l1() Mann zogen auf seinen Befehl nach Siebenbür-
gen über N ikopo l is , während ein Gesandter an Wlad is law im
stolzesten Ton als Preis des Friedens Belgrad forderte. Der Ge<
sandie ward aufgehalten, bis Siebenbürgens Schicksal entschieden war.
Vorsichtig hatte H. den Paß des eisernen Thores besetzt, und den Feind
zur Hälfte ganz still und ruhig durchziehen lassen. Mitten im Mar-
sche brach er plötzlich von den Bergen herab, sprengte die Mitte des
Feindes, jagte den größten Theil über die Donau zurück, und rieb die
vorwärts gedrungenen Haufen, die schon mit der gemachten Beute zu-
rückzukehren im Begriffe waren, ganzlich auf. Um volle Muße zum
türkischen Kriege zu gewinnen, rieth H. nach dem Tode der Königinn
zum Stillstande mit dem neuen Kaiser Friedrich I I I . , und errang
im folgenden Jahre mit Unterstützung des rascischen Despoten entschei-
dende Siege. Die Kernmacht Murad's würde dadurch aufgerieben,
der Stolz der Osmanen .qedemütdigt. Gebeugt sandte Murad Abge-
ordnete des Friedens, nur mit H. wollte sein Bothschafter unterhan-
deln. Aber edelmüthig verwies ihn H. an den König und an den Reichs-
rath, sich nur für einen Vasallen seines Monarchen erklärend. Ein
zehnjähriger Stillstand ward unter den vortheilhaftesten Umständen ge-
schlossen, und von dem Könige, wie von H. , auf das Evangelium be-
schworen (13. Iuny 1444). Doch die Klagen des Papstes, die Vor-
würfe der Griechen und Scand erbeg's, und die Beredsamkeit des
Cardinals J u l i a n stimmten den in seinem Gewissen beunruhigten
König, den kaum beschwornen Frieden zu brechen, und H. selbst ward
durch die Vorstellungen des Legaten, der seinen religiösen Sinn auf-
regte, wie durch das Versprechen der Bulgarey, und wohl auch durch
den eigenen kriegerischen Geist für die Erneuerung des Kampfes gewon-
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie