Seite - 492 - in Österreichische National-Enzyklopädie - Buchstabe W-Z, Band 6
Bild der Seite - 492 -
Text der Seite - 492 -
492 6 u n y a d / l I o h.
nen. Mit einem kleinen Heere zog der König, der seine meisten Trup-
pen nach geschlossenem Frieden entlassen hatte, nach Nitopo l is. Hier
stieß der Woywode der gebirgigen Walachey, Drakula, zu ihm, er-
klärte das ungar. Heer für klemer als das Gefolge, mit welchem der
Sultan gewöhnlich sich auf die Jagd begebe, bemühte sich, den König
zum Rückzüge zu bereden, und gerieth mit H. in einen heftigen Zwist.
VonH. der Verrätherey beschuldigt, zog er das Schwerr, ward über-
mannt und gezwungen, sich mit Geld und mit Hinterlassung des mit-
gebrachten Heeres loszukaufen. Dafür schwor er dem Helden Ungarns
zu gelegener Zeit blutige Rache. Die von H.selbst angerathene Schlacht
bey Varna (l8. Nov. 1444) strafte hart den Meineid des Königs. H.
hätte die Schlacht gewonnen, wenn der Bischof von Groß ward ein,
Simon Ropgon, und die Unbesonnenheit des in die Feinde muth-
willig stürzenden jugendlichen Königs nicht den halberrungenen Sieg
vereitelt hätten. Zu spät eilte H. von Verfolgung des fliehenden Fein-
des zurück, erfand den König getödtet, die ungarische Wagenburg ein-
genommen. Das Heer auf der Flucht. Hülfe von Drakula erwar-
tend, wandte er sich nach der Walachey, und ward von dem Woywoden
in Verhaft genommen. Doch bald zwangen die Drohungen der ungar.
Stände den Woywoden seinen Gefangenen ehrenvoll zu entlassen. Ca-
pitäne wurden ernannt, die Theile des Reichs gegen die Einfälle der
Türken zu schützen, und H. erhielt die jenseits der Theiß gelegenen Ge-
spanschaften zu seiner Verwaltung. Eine Gesandtschaft erging an den
Kaiser, den jungen Ladislaus abzufordern, und mehrere Magna-
ten, darunter auch H., wurden zu Reichsvicarien ernannt. Doch Kaiser
Friedrich wollte den unmündigen Zögling seiner Aufsicht nicht ent-
lassen, und eben so wenig die Rückgabe der Krone und der an ihn ver-
pfändeten Schlöffer und Güter in Ungarn bewilligen. Die erste Sorge
H.'s war nun, den seiner Leitung anvertrauten ostsüdlichen Gegenden Un»
garns Ruhe zu sichern. Er eilte nach Siebenbürgen, und ließ der Rache
an Drakula freyen Lauf. Drakula mußte flüchten und ein anderer
Woywode ersetzte ihn. Anstalten zu einem neuen Türkenzuge treffend,
vernahm H., daß Graf Ei l ly in Croatien eingefallen sey. Diesen un-
ruhigen und ränkevollen Mann zu züchtigen,'ward H. nach Besänfti-
gung seines Nebenbuhlers Nico laus vonUjlak zum Reichscavitän
erhoben, und zwang den Grafen von Cil ly zum Frieden und zur
Unterwerfung. Auch Kaiser Friedrich empfand wegen verweigerter
Herausgabe des jungen Königs die eherne Hand H.'s durch einen wüthen-
den Einfall in Steyermark. Der glückliche Zug bahnte dem Helden
Ungarns den Weg zur Würde eines Reichsstatthalters mit großer Voll-
macht, bis der unmündige Prinz volljährig seyn würde, und H. fand
sich auf dem Gipfel seiner Größe (1445). Verwegen hatte indeß Dra-
kula mit Hülfe der Türken sich wieder in den Besitz seines Fürsten-
thums gesetzt. Da stürmte H. mit Blitzschnelle auf ihn, schlug ihn in
einem Treffen,, nahm ihn gefangen, und ließ ihn nebst seinem Sohne
öffentlich enthaupten. Der Woywode der Moldau, Stephan, kehrte
nun desto williger zu seiner Pflicht zurückj und errichtete mit H. den
engsten Freundschaftsbund. Mit Kaiser Fri cd rich erneuerte sich nach
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie