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5l8 Mansfeld, Wolf Graf v. — Marcheck.
starb 1604. Auch in Gesandtschaften leistete M. wichtige Dienste, wie
am Reichstage zu Regensburg 1557, und 1565 in Portugal; die
Herzoginn-Regentinn hatte er nach Italien zu begleiten, als sie ihre
Statthalterschaft über die Niederlande nicht mehr fuhren wollte. Er ist
Vater zweyer berühmter Männer, des durch das Treffen bey Gran
um die Monarchie so verdienten Carl Fürsten v. M., und des in den
böhmischen Unruhen, und dem daraus erfolgten Kriege 1619—26 oft
gefahrlich gewordenen Ernst Grafen v. M. Der letzte war in der Partey,
welche er ergriffen hatte, nächst König G u sta v von Schweden und Herzog
Bernhard von Weimar, der bedeutendste Feldherr, betrieb aber in seiner
Lage, wo er nichts als seinen Degen zu verlieren hatte, den Krieg als Hand-
werk, und focht ohne Rücksicht auf die gerechte Sache überall mit, wo man
ihn und seine, keinem Boden angehörigen, Truppen besolden wollte,
hierin dem großen Vater sehr unähnlich.
Mansfeld, Wolf Graf v., kaiserl. geh. Rath, Feldmar-
schall und Commandant von Raab,.war geboren 1575. A.s Staats-
mann und Feldherr gleich vortrefflich, zeichnete sich dieser Graf M. von
der kriegerischen Seite zuerst in den ungar. Feldzügen, und zwar be-
sonders bey der Belagerung von Gran 1605 aus. Im jülichischen Erb-
folgestreit hatte er für den Churfürsten von Sachsen die Gesandtschaft
an den König von Frankreich übernommen, und als es dennoch 1610 zu
den Waffen kam, auch hierbey sich hervorgethan. Nachher trat er als
Statthalter zu Darm st adt in hessische, und aus denselben in sachsische
Dienste zurück, in denen er sich als churfürstlicher Gesandter bey dem
Wahltage Ferdinand's I I . Verdienste erwarb. Er führte diesem Mo-
narchen 1620 sächsische Hülfstruppen in die Ober- und Niederlausitz zu,
und ging endlich in den kaiserl. Dienst über. Hier war sein erster Auf-
trag, dem König von Spanien Hülssvolk nach Italien zu bringen,
welches für Genua gegen den Herzog von Savoyen 1624 gebraucht
wurde. Bey dem Abzüge vor Verona rettete M. das Belagerungsge-
schütz. Nach seiner Zurückkunft war er kaiserl. Commissar auf dem Land-
tage zu Prag 1628 gewesen, auch zum Statthalter über das Erzstift
Magdeburg ernannt worden. Als man nachher die Belagerung von
Magdeburg 1631 unternahm, ward ihm bey dem Sturme, durch
welchen die Stadt fiel, der gefährlichste Posten, wo der meiste Wider-
stand geleistet wurde, und nach derEroberung die Befehlshabsrstelle über die
traurigen Ruinen derselben zu Theil. Die Schweden säumten nicht, ihn hier
einzuschließen; aber Pappenheim eilte nicht wenig, ihn zu befreyen;
und da vor seiner Annäherung Banner die Einschließung aufgeben
mußte, zog sich M. mit der Besatzung aus der so übel zugerichteten Fe-
stung, von der jetzt wenig Vortheil mehr zu ziehen war, und wo er sich
mit kaum mehr als 2,000 Mann in einer sehr mißlichen Lage befunden
hatte. Ihm wurde mit der Feldmarschallswürde die Commandantenstelle
von Raab 1623 übertragen, mit welcher er seine rühmliche Laufbahn
1631 endigte. " ^
Marcheck(Marckegg), kleine niederösterr. Stadt an der March
und am östllchen Ende des Marchfeldes im V. U. M. B., ziemlich re-
gelmäßlg gebaut und aus 165 Häusern mit 993 Einw. bestehend. Die
Österreichische National-Enzyklopädie
Buchstabe W-Z, Band 6
- Titel
- Österreichische National-Enzyklopädie
- Untertitel
- Buchstabe W-Z
- Band
- 6
- Autoren
- Franz Gräffer
- Johann Czikann
- Verlag
- H. Strauß
- Ort
- Wien
- Datum
- 1835
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.3 x 22.0 cm
- Seiten
- 668
- Schlagwörter
- Nachschlagewerk, Biografien
- Kategorien
- Lexika National-Enzyklopädie