Seite - 175 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
Bild der Seite - 175 -
Text der Seite - 175 -
betroffen sind als Männer. Des Weiteren gibt es auch große Unterschiede
zwischen den einzelnen Ländern. Die höchste Arbeitslosigkeit verzeichnete
in den letzten Jahren Bosnien und Herzegowina. In etwa ähnliche Werte
haben Kroatien, Polen und die Slowakei. Die niedrigsten Werte können Ös-
terreich und die Tschechische Republik vorweisen.
Die Arbeitslosigkeit in Polen und der Slowakei wird vor allem mit dem
demografischen Faktor begründet. In den letzten Jahren drängte eine gro-
ße Zahl junger Menschen auf den Arbeitsmarkt. Speziell für die Slowakei
wird auch in der hohen Arbeitslosigkeit unter der Roma-Bevölkerung der
Grund für die gesamtwirtschaftlich hohen Arbeitslosenzahlen gesehen. [
vgl.
Landesmann, Vidovic 2006, 11] Hinzu kommt, dass vor allem diese beiden
Länder verstärkt mit Langzeitarbeitslosigkeit zu kämpfen haben. So wurden
im Jahr 2007 74,2 % der Arbeitslosen als langzeitarbeitslos eingestuft. Im
Vergleich dazu verzeichnete Polen im gleichen Jahr 51,3 % und Österreich
26,8 % . Auch die Tschechische Republik weist mit 52,2 % einen sehr ho-
hen Anteil auf. [Eurostat 2008, zuletzt abgerufen: 30.06.2008] Im Vergleich
dazu kämpfen die Länder in Südeuropa zwar generell mit hoher Arbeits-
losigkeit, besitzen jedoch mit einem großen informellen Sektor zumindest
eine Verdienstmöglichkeit, wenn auch nicht in staatlich anerkannter Art
und Weise.98 [vgl. Landesmann, Vidovic 2006, 35]
Zur Situation von Pflegekräften in den einzelnen Herkunftsländern steht
nur wenig statistisches Material zur Verfügung, und sie kann daher auch
nicht einer umfassenden Analyse unterzogen werden. Einzelne Daten aus
der Sekundärliteratur sollen jedoch an dieser Stelle diskutiert werden. So
wird berichtet, dass in der Tschechischen Republik in den 1990er Jahren
im Gesundheitsbereich viele Pensionisten teilzeitbeschäftigt tätig waren,
was 1999 endete. Damit sank die Zahl der Teilzeitbeschäftigten von 8700
Personen im Jahr 1990 auf 1970 Personen. Dies wird auf die Tatsache zu-
rückgeführt, dass diese Personen vollzeittätig wurden, aufhörten zu arbeiten
oder in den privaten Sektor wechselten, der nicht statistisch erhoben wurde.
Des Weiteren wurde gemeldet, dass 6 % der Arbeitslosen im Gesundheits-
bereich während dieser Zeit auswanderten. Dabei haben vor allem Länder
wie Österreich, Deutschland und Italien Krankenschwestern rekrutiert, um
98 Auch in Polen hat sich der Schwarzmarkt ausgeweitet. [vgl. Vaughan-Whitehead
2004, 342)
175
Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien