Seite - 182 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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diesem Jahr Pflegekräfte und Hebammen durchschnittlich 17.026 tschechi-
sche Kronen (604 Euro) brutto verdient haben. [vgl. Wiskow 2006, 58]
Auch in diesem Land forderten Pflegekräfte höhere Löhne. [vgl. Rokosova,
Hava 2005, 61] In der Slowakei verdiente eine Pflegekraft im Jahr 2004
14.000 slowakische Kronen brutto - umgerechnet 350 Euro brutto bezie-
hungsweise 280 Euro netto. Aufgrund der niedrigen Gehälter soll es hier zu
Fällen der Bestechung für gute Behandlungen gekommen sein. [vgl. Schnei-
der 2005, 156f.] Auch für die südlichen Herkunftsländer wurde gemeldet,
dass die Entlohnung im Gesundheitsbereich sehr gering war. Dies führte zu
Unzufriedenheit. [vgl. WHO, CEB 2006, 52f.]
Ein Vergleich zwischen den verschiedenen hier genutzten Datenquellen lässt
sich aufgrund der unterschiedlichen Definitionen nur bedingt durchführen.
Es kann jedoch festgehalten werden, dass zumindest in Polen Pflegekräfte
im privaten Sektor mehr verdienen als Angestellte im Durchschnitt im ge-
samten Wirtschaftszweig. Des Weiteren lässt sich festhalten, dass der Lohn-
unterschied zu Österreich sehr groß ist. Genaue Angaben können jedoch
auch hier nicht durchgeführt werden, da auch für Österreich eine detail-
lierte Aufzeichnung zu den Löhnen von Pflegepersonal fehlt. Es kann le-
diglich darauf hingewiesen werden, dass für diplomiertes Gesundheits- und
Krankenpflegepersonal ein Eingangsgehalt von rund 1660 Euro brutto im
Kollektivvertrag für die „Berufsvereinigung von Arbeitgebern für Gesund-
heits- und Sozialberufe und deren Arbeitnehmerinnen" für das Jahr 2005
angeführt wurde. [vgl. Gewerkschaft der Privatangestellten 2005, 18] Die
Unterschiede erschöpfen sich aber nicht mit der Höhe der Löhne. Denn es
kommt hinzu, dass Pflegekräfte in den Herkunftsländern meist sehr lange
auf ihre Bezahlung warten müssen. [vgl. Afford 2002, 3]
Zwei weitere Aspekte, die im Zusammenhang mit der Entlohnung stehen,
sollen an dieser Stelle erwähnt werden. Der erste Aspekt behandelt das
Pendlerwesen. Wie unter Kapitel 6.3 noch ausführlich dargestellt wird, pen-
deln Personen aus der Slowakei und der Tschechischen Republik nach Ös-
terreich, um hier zu arbeiten, wohnen jedoch in ihren Herkunftsländern. In
diesem Fall müssen die Löhne (nicht kaufkraftbereinigt) verglichen werden,
da die Personen ihren Mittelpunkt in den Herkunftsländern haben. Hier
zeigt sich, dass der Lohnunterschied noch viel größer ist. In der Slowakei
wurden im Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen im Jahr 2005 rund
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien