Seite - 197 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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(600.000 Personen) und über die Grenzen meist zu den „Nachbarländern"113
(1,3 Millionen Menschen) statt. Während dieser Zeit starben laut Interna-
tional Hesinki Federation for Human Rights mehr als 160.000 Menschen
im Krieg [vgl. Goeke 2007, 150f.], der schließlich 1995 endete. Das „Day-
ton Peace Agreement" wurde am 14. Dezember 1995 unterzeichnet. [vgl.
Bieber 2006, 27]
Die Geschichte des Landes Polen war Ende der 1980er Jahre geprägt vom
Zusammenbruch des kommunistischen Systems, nachdem in den Jah-
ren zuvor Unruhen - mit unter anderem Ausrufung des Kriegszustandes,
Streiks und Wirtschaftsproblemen -das Land prägten. [vgl. Schmidt-Rösler
1996, 238ff.] Offiziellen Zahlen zufolge wanderten in den 1970er Jahren
und 1980er Jahren jährlich 20.000 bis 30.000 Personen aus. Es werden
jedoch viel höhere Zahlen vermutet. Die Gründe der Abwanderung aus
dem kommunistischen Polen werden vor allem in wirtschaftlichen Motiven,
verbunden mit der Suche nach sozialem Aufstieg und besseren Lebenschan-
cen gesehen. [vgl. Praszalowicz 2007, 266] Natürlich spielte die politische
Situation ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Abwanderung nahm bis zur
Wende 1989 weiter zu und blieb auch nach dieser Zeit weiterhin auf einem
hohen Niveau. [
vgl. Praszalowicz 2007, 266] Die Wende führte zu einer
nicht kommunistischen Regierung. Polen wurde zu einem demokratischen
Rechtsstaat. Es folgte ein langsamer Aufbau der marktwirtschaftlichen
Strukturen. [
vgl. Schmidt-Rösler 1996, 246ff.]
In der Tschechoslowakei herrschte, so wie in Polen, ebenfalls ein kommu-
nistisches System vor. Die Abwanderung während der Zeit des Kommunis-
mus war seit Beginn der 1970er Jahre bestimmt durch politische, aber auch
immer öfters ökonomische Gründe. Gemeldet wurden vor allem vermehrte
Abwanderungen aus Prag. Die Migrantinnen waren jung, vor allem Män-
ner und gut ausgebildet. [vgl. Zeitlhofer 2007, 283] Im Jahr 1989 kam es
zum Umbruch weg vom kommunistischen hin zum marktwirtschaftlichen
System. Dem folgte im Jahr 1993 die Teilung des Landes in die Slowakei
und die Tschechische Republik. [vgl. Mauritz 2002, 214ff.; Zeitlhofer 2007,
283f.] Auch die Migrationsbewegungen änderten sich. Die Tschechische
113 Aufgrund der geografischen Nähe und da es bis zu dessen Zerfall tatsächlich mit
Jugoslawien eine gemeinsame Grenze teilte, wird hier Österreich als Nachbarland
betrachtet.
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien