Seite - 232 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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Arbeitserlaubnis zu bekommen, oder auch die Anerkennungsmöglichkeiten
der Qualifikationen. Die finanziellen und beruflichen Perspektiven werden
vor allem in den besseren Arbeitsmöglichkeiten, Weiterbildungs-, Karrie-
re- und Verdienstmöglichkeiten und dem besseren Lebensstandard gesehen.
Der dritte Faktor beinhaltet vor allem Fragen zur politischen Instabilität
im Heimatland und die persönliche und politische Sicherheit in Österreich
und beschreibt somit die politische Situation ganz generell. Damit zählen
die ersten beiden Faktoren eher zur ökonomischen Dimension und Letztere
zur politischen Dimension. Vergleicht man nun dieses Ergebnis mit jenen
in Tabelle 68, so zeigt sich erneut ein klares Bild. Migration wird vor al-
lem ökonomisch begründet. Die Ausnahme bilden die Länder des ehemali-
gen Jugoslawien. Pflegekräfte aus diesen Ländern migrierten vor allem vor
dem historischen Bruch aufgrund der politischen Situation. Die sinkenden
Zahlen der Migration aus den südosteuropäischen Ländern in den letzten
Jahren kann auch auf die relativ schwierigen institutionellen Hürden - im
Vergleich zu den neuen EU-Mitgliedstaaten - zurückgeführt werden.
Abschließend soll dieses Ergebnis nun mit jenem der temporär migrieren-
den Pflegekräfte verglichen werden. Erneut spielt, neben den besseren Ver-
dienstmöglichkeiten in Österreich, die Möglichkeit, eine Fremdsprache zu
lernen, auch bei den temporär migrierenden Pflegekräften eine wesentliche
Rolle. Diese kann wiederum als Weiterbildung und als spätere Aufstiegs-
chance im Heimatland gesehen werden. Auf die Frage, ob die Pflegekräfte
eine Rückkehr148 planen, antworteten 44 % mit Ja, der Zeitpunkt ist jedoch
noch unklar, und weitere 7 % mit Ja, in mehr als fünf Jahren. Auch dies
kann als Hinweis gedeutet werden, dass Pflegekräfte ins Ausland gehen, um
sich weiterzubilden, um in weiterer Folge in ihrer Heimat bessere Beschäfti-
gungschancen zu haben.
Unterschiede zu den Ergebnissen der permanenten Migration zeigen sich vor
allem in der Anzahl, der als wichtig erachteten Gründe für die Migration
und der Bewertung dieser Variablen. Insgesamt bewerteten die Pflegekräfte
148 Diese Frage war ursprünglich an Pflegekräfte, die permanent migrierten, gerichtet.
232 Daher entspricht die folgende Analyse einer nur sehr ungefähren Darstellung, die
jedoch realistisch ist, bedenkt man, dass sich die wirtschaftliche Situation in den
beiden Ländern - Slowakei und der Tschechischen Republik - in den letzten Jahren
stark verbessert hat und diese als zukünftiger Arbeitplatz daher wieder an Attrakti-
vität gewinnen werden (siehe auch Kapitel 6.1).
Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien