Seite - 254 - in Pflegekräftemigration nach Österreich - Eine empirische Analyse
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- hauptsächlich Bosnien und Herzegowina und Kroatien - dar. Die Gründe
für Migration aus den fünf zuletzt genannten Ländern sind sehr unterschied-
lich, und doch weisen sie eine gewisse Struktur auf. Vor den historischen
Brüchen in den 1990er Jahren waren es vor allem politische Konflikte, die
Einfluss auf die Migration aus dem ehemaligen Jugoslawien nahmen. Später
waren die Gründe vor allem ökonomischer Natur, was auch die zukünftige
Entwicklung beeinflussen wird. Dies lässt den Schluss zu, dass durch die
Öffnung des Arbeitsmarktes, die weiteren Entwicklungsschritte in der Eu-
ropäischen Union hin zu einer noch stärkeren institutionellen Vernetzung
und bei weiterhin gegebenen ökonomischen Unterschieden Migrationsströ-
me aus diesen Ländern stattfinden werden. Diese Arbeit leistet somit ei-
nerseits eine erste Analyse der Pflegekräftemigration nach Österreich - das
Ausmaß und die Gründe -, andererseits einen Ausgangspunkt für weitere
Forschung.
Als Anknüpfungspunkt an diese Arbeit für die weitere Forschung kann die
methodische Herangehensweise gesehen werden. Diese Arbeit bietet eine
Konzentration auf mehrere Aspekte. Diese schließen die Ebenenanalyse, die
Zeitanalyse und die systematisierte Betrachtung der Gründe für Migration
ein, die auch auf andere Bereiche anwendbar ist. Diese Arbeit bietet jedoch
auch einem sehr breiten Feld der Forschung im Bereich der Pflegekräftemig-
ration nach Österreich eine Grundlage für weiterführende Fragestellungen.
Somit liegt die Bedeutung dieser Arbeit auch im Verständnis über die zu-
künftige Entwicklung der Migration des Gesundheitspersonals. Ungleiche
Migrationsströme werden mit Sicherheit massive Auswirkungen auf das
Gesundheitssystem haben, sowohl für Ziel- als auch für Herkunftsländer.
In Herkunftsländern wird bereits die Diskussion über einen Mangel an
Pflegekräften geführt, der bereits eingetreten ist oder in Zukunft befürchtet
wird. Zusätzlich verzeichnen diese Länder einen Verlust an Ausbildungs-
investitionen. Im Gegensatz dazu können Zielländer wie Österreich, trotz
des Zustroms an Pflegekräften, keinen Überschuss an Personal vorweisen.
Ergänzend kann festgehalten werden, dass vor allem Arbeitnehmerinnen
aus den Nachbarländern zu einem überwiegenden Teil pendeln, also nur
zur beruflichen Ausübung nach Österreich kommen. Sollte sich die Situ-
ation in den Herkunftsländern verändern und wesentliche Gründe für die
Wanderung wegfallen, wird dies massive Auswirkungen auf die zukünftige
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Pflegekräftemigration nach Österreich
Eine empirische Analyse
Forschungsergebnisse der Wirtschaftsuniversität Wien