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106 K. Hauer
(speichert implizite oder nichtdeklarative Inhalte, die automatisch eingesetzt werden,
z. B. motorische Abläufe; Anforderungen sind im Szenario sehr einfach und weitgehend
vorstrukturiert) und für das Arbeitsgedächtnis (ermöglicht es, Informationen vorüber-
gehend zu speichern und gleichzeitig zu manipulieren; im Szenario kaum gefordert
wegen extern vorgegebener Handlungsstruktur) liegt das Anforderungsniveau niedrig
und entspricht sehr einfachen Alltagsaktivitäten.
Ebenfalls früh eingeschränkt im Krankheitsprozess sind Aufmerksamkeit und
Exekutivfunktionen, die im Szenario ebenfalls wenig gefordert sind. Die Aufmerk-
samkeitsspanne beschreibt jene Menge an Information, die in einer Situation bei
kurzzeitiger Darbietung entnommen werden kann, also in den Kurzzeitspeicher auf-
genommen wird. Im Testszenario ist die Informationsmenge, die in der Instruktion,
insbesondere aber während des Betriebs anfällt, wenig komplex und sehr kurz, die
Anforderung an die Testpersonen daher gering. Die geteilte Aufmerksamkeit beschreibt
die kognitive Teilleistung, die es ermöglicht, unterschiedliche Informationsquellen zu
verarbeiten und mehrere Aufgaben gleichzeitig erfolgreich durchzuführen. Im Test-
szenario werden die – wenig komplexen – Anforderungen im Wesentlichen konsekutiv
und nicht gleichzeitig angefordert, das Anforderungsniveau an die Dual-Task-Fähigkeit
der Teilnehmer ist gering.
Das Anforderungsniveau an die motorisch-funktionelle Leistung ist für das Studien-
kollektiv, bei dem schwere funktionelle Schädigungen ein Ausschlusskriterium dar-
stellten, als eher gering einzustufen. Als motorische Funktion werden im Wesentlichen
Gehleistungen gefordert, die aber durch die rollatorbasierte Mobilitätshilfe abgesichert
werden. Sensorische Leistungen sind notwendig beim Hören der akustischen Instruktio-
nen und bei der visuellen Orientierung im Raum. Da schwere sensorische Schädigungen
ebenfalls ein Ausschlusskriterium der Studie darstellen, ist auch das Anforderungsniveau
in Bezug auf die Sensorik gering und entspricht, wie bei den motorischen Leistungen,
normalen Basisanforderungen im Alltag.
Das eher geringe Anforderungsniveau, z. T. auch die gelungenen Unterstützungs-
funktionen des MOBOT-Navigationssystems, hat positive Effekte auf psychosoziale
Bewertungskriterien. Weder bei der Gruppe der kognitiv intakten noch bei der Gruppe
der kognitiv geschädigten Teilnehmer wird eine Überforderung der Teilnehmer erkenn-
bar. Positive Wahrnehmungen der eigenen Leistung und die durchgehende Kontrolle
über das System wirken dem Verlust der Selbstwirksamkeit/Kontrollverlust entgegen.
Obwohl die Nutzung des Navigationssystems im öffentlichen Raum stattfindet, mit
einem potenziell erhöhten Risiko für Schamgefühle seitens der Nutzer wie auch externer
Stigmatisierung, zeigen sich keine solchen negativen Reaktionen. Interessanterweise
wird die Nutzerrolle eher positiv wahrgenommen („Kapitän“ einer schweren High-
tech-Maschine, die man souverän bedient). Die Navigationshilfe ist zudem aus der Auto-
mobilnutzung bekannt und etabliert (TomTom) und nicht negativ besetzt.
Audio-gesturale Steuerung: Die kognitiven Anforderungen an die Nutzung der
audio-gesturalen Steuerung sind als hoch einzustufen. Die innovativen Steuerungsmodi
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