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130 M. Hülsken-Giesler und S. Daxberger
haben (Bieber und Geiger 2014; Bienzeisler 2011). Pflegearbeit wird heute in sehr unter-
schiedlichen (z. B. personellen, räumlichen und zeitlichen) Konstellationen erbracht, die
in ihrer zunehmenden Heterogenität etwa über das Konzept der „Pflegearrangements“
beschrieben und analysiert werden (vgl. Blinkert 2007). Verwiesen wird damit z. B. dar-
auf, dass sich neben den klassischen Feldern der pflegerischen Versorgung (stationäre
Pflege in unterschiedlichen Einrichtungen der Gesundheitsversorgung, häusliche Pflege,
Hospizversorgung) heute zunehmend auch neuere Wohn- und Versorgungskonzepte
(etwa Mehrgenerationenhäuser, Wohngruppen, Quartierskonzepte oder komplexere
„Caring Communities“) als Rahmungen der Pflege durchsetzen.
7.3 Robotische Systeme in der Pflege: Entwicklungen und
Einschätzungen
Eine einheitliche Definition von „Roboter“ liegt derzeit nicht vor, zur Abgrenzung von
weiteren computergestützten Artefakten kann aber auf das „sense-think-act paradigm“
zurückgegriffen werden. Autonome Roboter sind demnach dadurch gekennzeichnet,
dass maschinelle Sensorik über geeignete Algorithmen mit Aktorik verbunden wird und
somit maschinelle „Wahrnehmung“ in maschinelle „Handlung“ überführt werden kann,
Maschinen also zu autonomen Systemen werden, die Aufgaben ohne direkte mensch-
liche Steuerung ausführen können (vgl. Thrun 2004; Franklin und Graesser 1997). Pfle-
gerobotik wird dabei in der Regel über den spezifischen Einsatzbereich, also mit Blick
auf die praktische Verwendung und die konkreten Funktionen bzw. Funktionalitäten der
Systeme (z. B. Assistenz bei Pflegetätigkeiten, Überwachung von Vitaldaten oder auch
Unterstützung in sozialpflegerischen Kontexten) definiert und damit weniger über die
technischen Möglichkeiten etwa der Spracherkennung, der Emotionserkennung oder der
Mobilität (vgl. Van Wynsberghe 2013; Sharkey und Sharkey 2012; Vallor 2011).
Systematisiert man den aktuellen Stand der Pflegerobotik entlang von Einsatzfeldern
und Funktionalitäten, zeigen sich im Kern drei relevante Kategorien: 1) sozio-assistive
Systeme einschließlich Emotionsroboter, 2) Serviceroboter für Pflegende sowie für Men-
schen mit Hilfebedarf sowie 3) Rehabilitationsrobotik, die allerdings, legt man die Auf-
gaben und Verantwortungsbereiche der Pflege in Deutschland zugrunde, anders als im
angloamerikanischen Raum nur eingeschränkt als Pflegerobotik gelten kann.
7.3.1 Sozio-assistive Systeme (einschließlich Emotionsrobotik)
Sozio-assistive Systeme fokussieren auf eine Unterstützung der sozial-kommunikati-
ven Aspekte im Bereich der Pflege. Die internationale Studienlage zum Einsatz von
sozio-assistiven Systemen zur Unterstützung älterer Menschen zeigt überwiegend posi-
tive Effekte, die allerdings aufgrund der limitierten Güte der Studien derzeit noch wenig
aussagekräftig sind (Bemelmans et al. 2012). Sozio-assistive Systeme als humanoide
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