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134 M. Hülsken-Giesler und S. Daxberger
technologischen Innovation anzuvisieren, vielmehr ist zu fragen, wie soziale Innova-
tionen in den Handlungsfeldern der personenbezogenen Dienstleistung Pflege ermög-
licht werden können, ob robotische Systeme dazu beitragen können und wie diese
dazu ggf. zu gestalten sind (Stichwort „Soziotechnische Innovation“). Nimmt man die
hier skizzierten Charakteristika der professionellen Pflege zum Ausgangspunkt (siehe
Abschn. 7.2), wäre dies etwa über die Bereitstellung (und institutionelle Absicherung!)
von Zeit für die Kernaufgaben der personell gestützten beruflichen Pflege (etwa durch
Entlastung im logistischen Bereich) oder auch über die Bereitstellung von Daten und
Informationen für eine fachlich begründete Professionalität in der Pflege durch interne
und externe Evidenz möglich. Soziotechnische Innovation kann nicht unabhängig von
den konkret anvisierten Entwicklungsfeldern realisiert werden. Die Bereitstellung von
modularisierten Systemen, die – unabhängig von den spezifischen Herausforderungen
im Handlungsfeld – in Museen und Baumärkten, in Flughäfen und Büros oder eben
auch in Pflegeheimen und Krankenhäusern zum Einsatz kommen sollen, ist die-
sem Innovationsgedanken allerdings fern. Die Studie „ePflege“ spricht sich weiterhin
für die Einrichtung eines „Netzwerks IKT in der Pflege“ aus. Mit dieser Institutiona-
lisierung sollen interdisziplinäre und interprofessionelle Positionen und Interessen im
Umfeld von IKT in der Pflege ausgetauscht, übergreifende Zielsetzungen für die wei-
tere Entwicklung identifiziert und priorisiert und Impulse für sektorenübergreifende
Entwicklungen gegeben werden. Sollte das Forschungs- und Entwicklungsfeld Pfle-
gerobotik tatsächlich (wie eingangs angedeutet, s. Abschn. 7.1) prototypisch für eine
europäische Innovationspolitik der Verbreitung von sozialer Robotik in zukünftigen
Gesellschaften stehen, erscheinen entsprechende Netzwerkarbeiten umso dringlicher,
um die spezifischen Anforderungen an eine Pflegerobotik im Kontext dieser Gesamt-
initiative verteidigen zu können. Die Studie „ePflege“ mahnt weiterhin offensive
Diskurse zu den Voraussetzungen, Möglichkeiten und Herausforderungen der Technik-
verwendung in der Pflege an. Gezielte und öffentliche (z. B. mit Blick auf potenziell
pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen) wie fachöffentliche (professionelle
Pflege, Technikentwicklung u. a. m.) Diskurse sind in diesem Zusammenhang beispiels-
weise mit Blick auf ethische, rechtliche oder ökonomische Fragen anzustoßen und zu
führen, aber auch mit Blick auf ganz subjektive Sorgen, Ängste und Befürchtungen
etwa in Bezug auf Fragen der Entpersonifizierung und Deprofessionalisierung der
Pflege durch robotische Systeme. Verwiesen wird überdies auf die Notwendigkeit, die
Akteure im Handlungsfeld qualifikatorisch auf die neuen technischen Systeme vorzu-
bereiten. Dabei müssen allerdings über rein technisch-instrumentelle Kompetenzen
zum sachgerechten Einsatz von technischen Innovationen in der Pflege hinaus wei-
tere zentrale Kompetenzen angelegt werden: Insbesondere, wenn es darum gehen soll,
dass robotische Systeme zukünftig zu soziotechnischen Innovationen in der Pflege bei-
tragen, und die Pflegenden selbst diese Innovationen mit zu entwickeln haben, sind
sie in die Lage zu versetzen, den Technologieeinsatz in größeren Gesamtzusammen-
hängen zu verstehen, also z. B. Fragen der Mensch-Technik-Interaktion in der Pflege
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