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Wege zu verantwortungsvoller Forschung und Entwicklung …
Vor diesem Hintergrund wird in diesem Beitrag der Frage nachgegangen, wie sich
eine Forschungs- und Entwicklungspraxis gestalten lässt, die den hohen Anforderungen
an Serviceroboter-Anwendungen im Pflegebereich gerecht wird. Mit Blick auf neu-
ere politische Konzepte zur verantwortungsvollen Technikgestaltung wird dargelegt,
dass neben einer bedarfsorientierten Vorgehensweise dabei vor allem der angemessene
Umgang mit normativen Fragen und Unsicherheiten heraussticht, die auf die zentrale,
jedoch durchaus zwiespältige Rolle ethischer Reflexion verweisen.
8.1 Bedarfe und Bedürfnisse im Fokus
Bei der Pflege handelt es sich um einen stark ausdifferenzierten Dienstleistungsbereich.
Grundsätzlich zu unterscheiden sind die ambulante Pflege zu Hause sowie die statio-
näre Pflege im Heim, die wiederum sehr verschiedene Tätigkeiten umfassen (z. B.
Waschen, Ernährung, Mobilisation, emotionale Zuwendung). Hinzu kommt, dass man
es mit sehr unterschiedlichen Zielgruppen zu tun hat, was zu einer Separierung unter-
schiedlicher Pflegeberufe geführt hat (Kinderpflege, Altenpflege, Krankenpflege etc.).
Angesichts des demografischen Wandels werden in der Altenpflege die größten Poten-
ziale für robotische Lösungen gesehen – gerade in dem Bereich also, in dem die Spann-
breite an Beeinträchtigung resp. Pflegebedürftigkeit besonders ausgeprägt ist. Sie reicht
von älteren Menschen, die noch zu Hause wohnen, dabei aber Unterstützung benötigen,
über Heimbewohner, die unterschiedliche Grade und Formen der Gebrechlichkeit auf-
weisen, bis hin zu Demenzpatienten im fortgeschrittenen Stadium, die rund um die Uhr
der Betreuung bedürfen. Als personenbezogene Dienstleistung ist Pflege gefordert, die-
ser Vielfältigkeit an Ansprüchen und Lebensumständen gerecht zu werden, wobei die
zwischenmenschliche Begegnung sowie die fürsorgliche Zuwendung – also der „Zugang
zum Anderen“ (Hülsken-Giesler 2008) – als Dreh- und Angelpunkt pflegerischen Han-
delns gelten (vgl. Görres und Friesacher 2005). Da immer wieder situativ auf individu-
elle und sich wandelnde Bedürfnisse reagiert werden muss, ist Pflegearbeit folglich nur
begrenzt standardisierbar. Dasselbe trifft dann notgedrungen auch auf die Anforderungen
an technische Unterstützungslösungen zu, die sich letztlich nur dann sinnvoll in die
Pflegearbeit integrieren lassen, wenn sie spezifisch auf die unterschiedlichen Pflege-
situationen zugeschnitten sind. Dies ist umso mehr der Fall, als von Pflegebedürftigen
aufgrund deren körperlichen und psychischen Einschränkungen nicht erwartet werden
kann, dass sie zu größeren Anpassungsleistungen an neue technische Hilfsangebote in
der Lage sind. Folglich wird im Pflegebereich die Nachfrage nach technischen Innova-
tionen „nicht primär aus dem Angebot generiert“ – wie es etwa bei Staubsaugerrobotern
eindeutig der Fall ist –, sondern ergibt sich vielmehr aus „handfesten Bedarfen, die nicht
aus freien Nutzungsentscheidungen erwachsen“ (Elsbernd et al. 2015, S. 71).
Wie der Überblicksartikel von Östlund und Frennert (2014) am Beispiel der sozialen
Robotik aufzeigt, ist die Perspektive älterer Menschen in Forschung und Entwicklung
bisher kaum präsent gewesen, stattdessen herrschen stereotypische Sichtweisen der
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