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1719 Pflegeroboter: Analyse und Bewertung aus Sicht … Kamphof 2016, S. 176). In diesem Falle wäre zu klären, inwieweit ethische Kriterien wie Unabhängigkeit oder Sicherheit durch andere ethische Kriterien wie Versorgungsqualität oder persönliche Zuwendung übertrumpft werden. Aus der Perspektive einer Care-Ethik würde das Konzept personaler Autonomie grundsätzlich nicht in Zweifel gezogen. Es würde jedoch, im Anschluss an Sandel (1998), auf damit verbundene Einseitigkeiten ver- wiesen werden, das Leben als eine „Robinsonade“ zu begreifen. Stattdessen würde das Konzept einer relationalen Autonomie (vgl. etwa Simon und Nauck 2013) favorisiert mit dem Hinweis darauf, technische Arrangements so zu gestalten, dass bspw. Vereinsamung möglichst ausgeschlossen werden kann. Ein gewichtiger Einwand hinsichtlich des Einsatzes autonomer Assistenzsysteme lau- tet, dass sie letztlich als Mittel der Rationalisierung eingesetzt werden.3 Unter ethischen Gesichtspunkten z. B. der Steigerung von Wohlbefinden wären solche Rationalisierun- gen gerechtfertigt und sogar erwünscht, wenn damit beispielsweise größere Zeitreserven des Pflegepersonals für besonders versorgungsbedürftige ältere Menschen oder Patien- ten gewonnen werden könnten. Auch die durch den Einsatz von Servicerobotern (Heben, Lagern) zu erzielenden physischen Entlastungen sind erwünscht. Ethisch relevante Probleme ergeben sich dann, wenn Pflegebeziehungen in ganz elementaren Bereichen (körperliche Nähe, subtile, differenzierte Wahrnehmung, therapeutisch bedeutsame Berührung) technisch substituiert werden sollen: (…) It clearly can be argued that peaceful, even loving, interaction among humans is a moral good in itself. (…), we should probably distrust the motives of those who wish to introduce technology in a way that tends to substitute for interaction between humans. (…) for a social mammal such as a human, companionship and social interaction are of crucial psychological importance (Whitby 2012, S. 238). Neueren Studien zufolge können telematische Assistenzsysteme zu einer Reduzierung menschlicher Kontakte führen und damit zu einer sozialen Isolation älterer Menschen (Sharkey und Sharkey 2012a; Sparrow und Sparrow 2006; Sparrow 2002). Familien- mitglieder fühlen sich von gewissen Verpflichtungen entlastet, was gewiss auch als ein legitimer Wunsch gelten kann (Sharkey und Sharkey 2012b). Dadurch hervorgerufene Vereinzelungen machen auf der anderen Seite wiederum stärkere Kontrollen notwendig (Sorell und Draper 2014). Durch den Einsatz bspw. von AAL-Technologien muss soziale Isolation zwangsläufig nicht ansteigen. Immer kommt es auf die Einzelfallbeurteilung an (vgl. Sorell und Draper 2012; Murray et al. 2011; Pols 2010). Auch ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob durch eine Substitution menschlicher Hilfe durch das technische Assistenzsystem der moralisch (teils rechtlich) begründete Anspruch eines jeden Menschen auf Anerkennung und Zuwendung verletzt wird (vgl. etwa Borenstein und Pearson 2012). Zumindest bei telematischer Überwachung werden Tendenzen einer Ent-Individualisierung beklagt (Sävenstedt et al. 2006). 3Im Folgenden stützen wir uns auf ein unlängst verabschiedetes Gutachten: Hülsken-Giesler und Remmers (2017).
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Pflegeroboter
Titel
Pflegeroboter
Autor
Oliver Bendel
Verlag
Springer Gabler
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Abmessungen
17.3 x 24.6 cm
Seiten
278
Kategorie
Technik
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