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196 O. Bendel
erstaunen und verzaubern uns die berühmten Androiden der Gebrüder Jaquet-Droz aus
La Chaux-de-Fonds, die Musikerin, der Zeichner und der Schreiber.
Schon in der Ideengeschichte kommen künstliche Figuren vor, die Menschen und
Göttern helfen, die Sehnsucht der Liebenden stillen und die Ohnmacht der Leidenden
lindern. Der menschliche Pygmalion erschuf mithilfe der übermenschlichen Aphrodite
die lebendige, fruchtbare Galatea, Hephaistos, der Gemahl der Göttin der Liebe und der
Schönheit, die goldenen Dienerinnen, die ihn, den Hinkenden, stützten, und vielleicht
weitere seiner Bedürfnisse befriedigten; jedenfalls schreibt Homer in seiner „Ilias“, sie
hätten eine „jugendlich reizende Bildung“, was im Sinne von Lob und Leidenschaft ver-
standen werden kann. Man darf sie als frühe Pflegeroboter deuten, als erste Vorboten
einer Entwicklungsgeschichte, die im 21. Jahrhundert einen Höhepunkt erlebt, und ver-
mutlich sogar, wie Galatea, als erste (eben vorgestellte) Liebesmaschinen.
Um Pflegeroboter geht es im vorliegenden Beitrag, zudem um Therapie- und
Operationsroboter, insgesamt also um Roboter im Gesundheitsbereich, wobei der Fokus
auf eigenständigen (ferngesteuerten oder selbsttätigen) Maschinen liegt, nicht etwa auf
Exoskeletten und Rollstühlen (wobei auch schon autonome Rollstühle getestet wurden).
Es werden die Ziele, Aufgaben und Merkmale geklärt und teils gleichartige, teils unter-
schiedliche Fragen aus ethischer Sicht gestellt und ansatzweise beantwortet. Am Ende
soll deutlich werden, welche Robotertypen und entsprechenden Prototypen bzw. Pro-
dukte es im Gesundheitsbereich gibt, welche Zwecke sie erfüllen und welche Funktio-
nen sie übernehmen, wie sich das Gesundheitswesen durch ihre Nutzung verändert und
welche Implikationen und Konsequenzen diese hat, für den Einzelnen, für die Gesell-
schaft und für einschlägige Einrichtungen, wobei gerade die umfassende und ver-
gleichende Darstellung der Assistenten und Akteure aus Metall und Plastik neuartig und
gewinnbringend ist. Nicht zuletzt interessiert, welche Möglichkeiten für den Betroffenen
bestehen, sich für die eine oder andere Option zu entscheiden, und es wird auf eine
ergänzende Patientenverfügung eingegangen, die den Einsatz von Operations-, Therapie-
und Pflegerobotern regelt (s. Abb. 11.1 für die erste Seite).
11.2 Annäherung an Roboter im Gesundheitsbereich
Roboter erobern den Gesundheitsbereich mit einer von Anwendungsgebiet zu
Anwendungsgebiet unterschiedlichen Geschwindigkeit. Sie verändern, erweitern, beleben
und hinterfragen die medizinische, therapeutische und pflegerische Praxis und wecken
das Interesse der Beratungs- und Forschungseinrichtungen. Die amerikanische Studie
„Healthcare and Medical Robotics“ (ABIresearch 2011) untersuchte den Markt von medi-
zinischen Robotern für die Jahre 2010 bis 2016. Eine 2013 erschienene TA-SWISS-Studie
mit dem Titel „Robotik in Betreuung und Gesundheitsversorgung“ stellte die Chancen und
Risiken dar, auch aus ethischer Sicht (Becker et al. 2013). Diverse spezialisierte Beiträge
erschienen in den darauffolgenden Jahren, etwa zu einem sozialen assistierenden Robo-
ter für Alzheimer-Patienten und ihre Betreuer (Salichs et al. 2016) oder zur Akzeptanz
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