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Roboter im Gesundheitsbereich
lässt und tanzen kann – auf dem Massenmarkt erhältlich ist. Kaspar von der Universität
Hertfordshire (www.herts.ac.uk/kaspar), mit vollem Namen Kaspar the social robot, soll
autistischen Heranwachsenden helfen. Er ist als „social companion“ konzipiert, soll also
ein Begleiter und Freund sein, dank des marionettenhaften Äußeren aber nicht mit einem
Menschen verwechselt werden können. Der humanoide Milo (robots4autism.com/milo/)
als Variante von Zeno richtet sich ebenfalls an autistische Kinder. Er kann gehen und
sprechen und hat mimische und gestische Fähigkeiten. In seiner Brust sitzen ein Touch-
screen und eine Kamera. Zora, die auf Nao von Aldebaran bzw. SoftBank basiert und
von Zora Robotics (ZoraBots) softwareseitig angepasst wurde (www.zorarobot.be), soll
junge Menschen zu Fitnessübungen anregen. Automaten, die Patienten massieren und
stimulieren, existieren schon seit geraumer Zeit und werden nun mithilfe der Robotik
optimiert und im Sinne des Patienten individualisiert. Ein Beispiel ist P-Rob, an der
Tagesklinik Glarus als automatisierte Lösung für die sogenannte therapeutische Impuls-
gebung eingesetzt. Ansonsten soll der Roboter, der an einen Co-Robot aus der Industrie
erinnert, vor allem als Pflegeroboter genutzt werden.
Aus den Bereichsethiken heraus können folgende Fragen gestellt werden (Bendel
2013a; 2015b):
• Wer trägt die Verantwortung bei einer fehlerhaften oder lückenhaften Therapie durch
die Maschine?
• Wird der Patient durch den Einsatz in nicht adäquater Weise behandelt, etwa wie ein
Kind oder wie ein Tier?
• Wie verfährt man mit persönlichen Daten, die der Roboter sammelt und auswertet?
• Ist der Roboter ein Konkurrent für Therapeuten und Psychologen?
Bei Therapierobotern ist die Frage nach der Verantwortung schwieriger als bei gängi-
gen Modellen von Operationsrobotern zu beantworten. Der Hersteller (respektive der
Entwickler) muss, zusammen mit dem Heim oder der Anstalt bzw. einer sonstigen Ein-
richtung, die Verantwortung tragen und die Haftung übernehmen. Allerdings kann er
sich darauf berufen, dass die Effekte insgesamt positiv sein mögen, und darauf beharren,
dass Einzelfälle mit negativen Implikationen in Kauf zu nehmen und zu verkraften seien.
Nicht von der Hand zu weisen ist, dass Therapieroboter wie Paro bei mündigen Perso-
nen zuweilen Abwehrreflexe hervorrufen. Offenbar wird Patienten etwas vorgegaukelt,
wird durch die Äußerlichkeit und die Lernfähigkeit der Maschine suggeriert, dass diese
wie ein Mensch oder wie ein Tier reagiert, und unter Ausnutzung der eingeschränkten
Fähigkeiten der Probanden werden diese zufrieden- bzw. ruhigstellenden Scheinwelten
errichtet und Emotionen erzeugt und gelenkt. Dass Serviceroboter aller Art Datensauger
sein können, ist bekannt und in der Literatur hinlänglich behandelt (Bendel 2014). Sie
haben oft mehrere Sensoren (wie Kameras) und manchmal natürlichsprachliche Fähig-
keiten. Die persönlichen Daten, die generiert und analysiert werden bzw. werden können,
sind gerade bei Kranken missbrauchsgefährdet und schützenswert. In einer (Ergänzung
zu einer) Patientenverfügung sollte man regeln, wie man eines Tages, wenn man nicht
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