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206 O. Bendel
Pflegeroboter komplementieren oder substituieren menschliche Pflegekräfte (Bendel
2015b). Sie bringen den Pflegebedürftigen benötigte Medikamente und Nahrungsmittel
und helfen ihnen beim Hinlegen und Aufrichten und bei ihrem Umbetten. Sie unterhalten
Patienten und stellen auditive und visuelle Schnittstellen zu menschlichen Pflegekräften
bereit. Manche verfügen über natürlichsprachliche Fähigkeiten, wobei prinzipiell meh-
rere Sprachen beherrscht werden können, was in diesem Kontext relevant sein mag, und
sind in einem bestimmten Umfang merk- oder lernfähig und intelligent. Vorteile sind
durchgehende Einsetzbarkeit und gleichbleibende Qualität der Dienstleistung. Nachteile
sind Kostenintensität und Ersatz zwischenmenschlicher Kontakte. Zudem sind in der
Praxis sehr viele unterschiedliche Aufgaben vorhanden, sodass eine Spezialisierung not-
wendig ist – oder aber eine hohe Komplexität, die zu einer Generalisierung führt.
Pflegeroboter sind mehrheitlich Prototypen und derzeit vor allem in Testumgebungen
sowie auf Messen und Konferenzen und bei Ausstellungen zu finden (Bendel 2015b).
Frühe Entwicklungen sind der „nurse’s assistant“ HelpMate und der „nurse-bot“ Pearl,
die Pflegekräfte unterstützen (Bekey 2012, S. 22). HelpMate transportiert Dinge, Pearl
liefert nützliche Informationen und macht Patientenbesuche. JACO2 6 DOF von Kinova
Robotics (kinovarobotics.com), unter dem Kurznamen JACO bekannt, kann Personen
mit eingeschränkten Arm- und Handfunktionen helfen. Er besteht aus einem Arm und
einer Hand mit drei Fingern, durch die er sich von üblichen Kooperations- und Kollabo-
rationsrobotern unterscheidet, die meist zwei Finger haben (wobei in experimentellen
Küchen auch solche mit fünf Fingern ihre Arbeit verrichten); gleichwohl steht er die-
sen sehr nahe, etwa was die Zahl der Achsen angeht. Care-O-bot 4 vom Fraunhofer IPA
(www.care-o-bot.de) kann Dinge holen und wegbringen und bewegt sich sicher unter
Menschen und durch den Raum. Ganz ähnlich der TUG von Aethon (www.aethon.com):
Er ist in der Lage, Medikamente und Materialien zu transportieren und selbstständig mit
dem Lift zu fahren; zudem hat er natürlichsprachliche Fähigkeiten. Der als wandelndes
Infoterminal mit freundlichem Gesicht gestaltete HOBBIT aus einem EU-Projekt soll
Seniorinnen und Senioren helfen (hobbit.acin.tuwien.ac.at). Er soll das Sicherheitsgefühl
stärken und vermag Gegenstände vom Boden aufzuheben. Cody aus dem Georgia Insti-
tute of Technology (College of Engineering, coe.gatech.edu) kann bettlägerige Patien-
ten wenden und waschen. Robear (Vorgängerversionen RIBA und RIBA-II) von Riken
(www.riken.jp), so bärenhaft im Äußeren, wie es die Bezeichnung verspricht, arbeitet im
Tandem mit der Pflegerin oder dem Pfleger und assistiert beim Umbetten und Aufrichten.
TWENDY-ONE, ein humanoider Roboter mit zwei Händen mit jeweils vier Fingern vom
Sugano Laboratory der WASEDA University unterstützt Patienten beim Sichaufrichten
und bei Haushaltsarbeiten (twendyone.com). F&P Robotics (www.fp-robotics.com) mit
Hauptsitz in Glattbrugg hat den bereits erwähnten Serviceroboter P-Rob entwickelt. Er
ähnelt JACO, hat aber lediglich zwei Finger. Er kann sowohl in der Pflege als auch in der
Therapie seine Funktion erfüllen.
Aus den Bereichsethiken heraus können folgende Fragen gestellt werden (Bendel
2013a, 2015b):
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