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214 J. Kreis
um die Uhr vollautonom versorgen. Während Serviceroboter mit Getränken patrouillie-
ren, werden die gechippten Bewohner des Pflegeheims von Chatbots über das Wetter der
kommenden Tage informiert, bevor Assistenzsysteme sie zur allmorgendlichen Körper-
pflege abholen. Algorithmen bestimmen unser Leben, menschliche Kontakte sind schein-
bar überflüssig geworden.
Werden Pflege und Robotik gegenübergestellt, resultieren nicht selten bizarre
Zukunftsszenarien, welche stark von den heute vorherrschenden Werten einer gegen-
wartsnahen Gesellschaft abweichen. Tatsächlich hat die Robotik in der Pflege aber ein
ganz anderes Gesicht. Mit dem Ziel, Lebensqualität zu verbessern, setzt sie in erster
Linie auf die Entwicklung von Helferinstanzen, die Pflegebedürftige, deren Angehörige,
aber auch Pflegefachkräfte im Alltag unterstützen sollen. Noch sind es neben Familien-
angehörigen vor allem Fachpersonen wie Ärzte, Pflegende und Therapeuten, welche
Pflegebedürftige umsorgen. Ein Roboter, der daran erinnert, Tabletten zu schlucken,
genügend Flüssigkeit aufzunehmen, Pflegebedürftige aufrichtet oder mit ihnen über einen
Monitor Gedächtnisspiele spielt, dürfte aber bald Standard sein. Der Gedanke, dass auf
Hilfe angewiesene Menschen künftig von einem Pflegeroboter betreut werden könnten,
ist für viele befremdlich. Doch die Grenzen des technisch Machbaren verschieben sich
stetig und die Entwicklung von Robotern für Medizin und Pflege ist in vollem Gange.
Mit den menschzentrierten Disziplinen rücken unweigerlich auch ethische Fragen in
den Fokus der Robotik. Entsprechend fragt die Maschinenethik nach dem moralischen
Status von Maschinen und deren Rolle als moralisches Subjekt (Bendel 2013). Welche
Werte und welche Modelle normativer Ethik verfolgt der Roboter? Was darf er mit
Menschen tun und was dürfen sie mit ihm tun? Sollen künstliche Systeme vollautonom
agieren können oder nur nach strikter menschlicher Anordnung befähigt sein, Aktionen
auszuführen? Darf sich der Roboter moralisch bedenklichen menschlichen Anweisungen
widersetzen? Darf er gar selbst moralisch relevante Entscheidungen treffen (Bendel
2014, S. 22–24, 2016a, S. 129–131)?
Kaum jemand wird sich daran stören, wenn ein Robotersystem in einem Pflege-
zentrum schmutzige Bettlaken in den Waschraum befördert. Doch wie stehen wir
zu einem Gerät, das Menschen wäscht, wie Roboter Cody, oder sie tröstet und unter-
hält wie Kuschelrobbe Paro? Welche Aufgaben sollen Roboter übernehmen dürfen und
welchen Herausforderungen sind sie aufgrund ihrer maschinellen Beschaffenheit gar
nicht erst gewachsen? Um den Wirkungs- und Aufgabenbereich von Robotern genauer
zu definieren, bedarf es bereits vor der Etablierung künstlicher Systeme einer ethischen
Auseinandersetzung mit möglichen Auswirkungen der Robotik. Vor diesem Hinter-
grund legt der vorliegende Beitrag Argumente für wie auch gegen den Einsatz von
Pflegerobotern dar und prüft deren Stichhaltigkeit am Beispiel bestehender Geräte.
Dabei liegt der Schwerpunkt der ethischen Diskussion nicht auf Entwicklung, Produk-
tion oder Entsorgung der Maschinen, sondern vielmehr auf der eigentlichen Anwendung
der Pflegeroboter in einer Pflegeinstitution. Im Folgenden werden Einwände aus den
Bereichen Privatsphäre, Datenschutz und Verantwortung sowie das Argument der durch
Roboter bedingten Kontaktverminderung dargelegt. Anschließend thematisiert der
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