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Umsorgen, überwachen, unterhalten …
vorliegende Beitrag das Argument der menschlichen Täuschung wie auch das Argu-
ment der Zwischenschaltung künstlicher Systeme und den Einwand nicht geachteter
Würde. Vor der ethischen Auseinandersetzung mit Pflegerobotern erfolgt jedoch eine
dazu notwendige begriffliche Definition sowie ein demografischer Überblick, der die
Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit Robotersystemen in der Pflege zusätzlich
unterstreicht.
12.2 Begriffsdefinition: „Pflegeroboter“ und „Roboter in der
Pflege“
Nicht jedes maschinelle System wirft signifikante ethische Fragen auf. Um die in
Zusammenhang mit der Robotik auftretenden ethischen Probleme genauer zu umreißen,
ist eine begriffliche Klärung der Bezeichnungen „Roboter in der Pflege“ und „Pflege-
roboter“ vorzunehmen.
Der vorliegende Beitrag legt den Fokus auf Pflegeroboter. Mit dem Begriff „Pflege-
roboter“ werden im Folgenden Robotersysteme bezeichnet, welche menschliche Pflege-
kräfte unterstützen oder ersetzen. Sie versorgen Pflegebedürftige mit Medikamenten,
bringen und reichen Nahrungsmittel, helfen beim Hinlegen und Aufrichten von Per-
sonen und alarmieren, wenn nötig, den Notdienst (Bendel 2016b). Es können grob die
drei Kategorien Service-, Assistenz- und Unterhaltungsroboter unterschieden werden.
Während Serviceroboter wie Care-O-bot kleinere Bring- und Holdienste übernehmen,
leisten Assistenzroboter wie Hebesystem Robear Hilfe beim Umlagern und Aufrichten
von Patienten. Unterhaltungsrobotern kommt hingegen die Aufgabe zu, Menschen geis-
tig oder körperlich zu animieren. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Funktionen können
Pflegeroboter oft mehr als einer Kategorie zugeordnet werden.
Im Unterschied zum engeren Begriff „Pflegeroboter“ referiert die weitreichendere
Bezeichnung „Roboter in der Pflege“ im Rahmen dieses Beitrags zusätzlich auf Systeme,
welche nicht im Austausch mit Pflegekräften oder Pflegebedürftigen stehen und auch
außerhalb der Pflege eingesetzt werden. So kann beispielsweise ein autonomer Fenster-
reinigungsroboter sowohl in Pflegeinstitutionen als auch in Privathaushalten von nicht
Pflegebedürftigen zum Einsatz kommen. Bei einem im Pflegeheim eingesetzten Fenster-
reinigungsroboter handelt es sich demnach zwar um einen Roboter in der Pflege, jedoch
nicht um einen Pflegeroboter.
Dieser Beitrag konzentriert sich auf die Pflege älterer, pflegebedürftiger Menschen
in Institutionen der Langzeitpflege. Dabei handelt es sich um Menschen jenseits des 65.
Lebensjahres, welche auf Hilfe oder Unterstützung in grundlegenden Aktivitäten des täg-
lichen Lebens, wie etwa Körperpflege oder Nahrungszufuhr, angewiesen sind (SAMW
2013, S. 7). Bevor die ethische Auseinandersetzung mit Pflegerobotern erfolgt, zeigt der
nachfolgende demografische Überblick, inwiefern Pflegeroboter für diese älteren, tech-
nisch weniger versierten Generationen von Belang sind.
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