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216 J. Kreis
12.3 Demografischer Überblick
Bislang funktionierten Schweizer Pflegeinstitutionen ohne etablierte Unterstützung von
Pflegerobotern. Der vorherrschende demografische Trend einer immer älter werdenden
Bevölkerung dürfte Entwicklung und Einsatz von künstlichen Systemen in der Pflege
aber begünstigen. Denn mit dem Erreichen eines hohen Lebensalters sind Menschen
über eine erweiterte Zeitspanne unterstützungs- oder pflegebedürftig.
Gemäß Weltgesundheitsorganisation WHO wird sich der Anteil der Weltbevölkerung
von über 60-Jährigen zwischen 2015 und 2050 nahezu verdoppeln und von 12 % auf
22 % ansteigen (World Health Organization 2017). Dieser Trend dürfte sich auch in der
Schweiz abzeichnen. Gemäß dem schweizerischen Bundesamt für Statistik BFS ist zu
erwarten, dass die Bevölkerungsgruppe der ab 65-Jährigen von 1,5 Mio. im Jahr 2015
auf 2,7 Mio. im Jahr 2045 anwachsen wird (Kohli et al. 2015, S. 5). Mit der steigen-
den Zahl älterer und hochbetagter Menschen nimmt auch die Gruppe pflegebedürftiger
Personen stark zu. Der Bedarf an personellen Ressourcen in Pflege- und Betreuungs-
berufen dürfte bis 2025 entsprechend um gut 20 % steigen. Demgegenüber wurden laut
dem im September 2016 veröffentlichten Versorgungsbericht der Gesundheitsdirektoren-
konferenz und OdASanté in den letzten Jahren schweizweit nur 56 % des jährlich
gefragten Pflegepersonals ausgebildet (Dolder und Grünig 2016, S. 47). Die hohe
Berufsaussteigerquote verschärft den Mangel an Pflegefachpersonen zusätzlich.
Eine Demenzerkrankung ist der derzeit häufigste Grund für Pflegebedürftigkeit
im Alter. Mit dem erhöhten Anteil älterer Menschen wächst auch die Zahl demenziell
erkrankter Personen. Schätzungen zufolge sind in der Schweiz bereits heute 9 % der
über 65-Jährigen und mehr als 40 % der über 90-Jährigen von der Alzheimerkrankheit
oder einer anderen Demenzform betroffen (Schweizerische Alzheimervereinigung 2017).
Gemäß Weltgesundheitsorganisation WHO erhöht sich die Gesamtzahl der Erkrankten
weltweit bis 2030 auf 65,7 Mio. und bis 2050 auf 115,4 Mio. (WHO 2012, S. 2).
In Anbetracht dieser Entwicklung kann der Einsatz von Pflegerobotern, welche
Pflegefachkräfte im Berufsalltag entlasten oder Pflegebedürftigen Autonomie und
Mobilität gewährleisten, gangbare Lösungswege darstellen. Die älteste noch lebende
Generation von Menschen künftig mit neuesten Generationen der Technik zu konfrontie-
ren, erfährt aber nicht nur Zuspruch. Insbesondere von Pflegeethikern werden derzeitige
technische Entwicklungen im Bereich der Pflegerobotik auch kritisch beurteilt. Selbst
wenn Roboter Zielscheibe moralischer Bedenken sind, kann es gelingen, ihren Einsatz
ethisch zu rechtfertigen. Im Folgenden werden Einwände aus den Bereichen Privat-
sphäre, Datenschutz und Verantwortung umrissen, bevor umfassender auf das Kontakt-
argument, das Argument der menschlichen Täuschung und der Zwischenschaltung
künstlicher Systeme wie auch auf den Einwand nicht geachteter Würde eingegangen
wird.
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