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Umsorgen, überwachen, unterhalten …
zufolge kann der Einsatz von Robotern in der Pflege zwar zu einem Zeitgewinn führen,
es besteht jedoch die akute Gefahr, dass die gewonnenen Minuten aus ökonomischen
Gründen nicht dem einzelnen Zentrumsbewohner zugutekommen. Vielmehr dürfte der
Robotereinsatz dazu führen, dass eine höhere Anzahl an Patienten von der gleichen
Anzahl an Pflegekräften oder dieselbe Anzahl an Patienten von einer geringeren Anzahl
an Pflegekräften betreut wird (Sparrow und Sparrow 2006, S. 143). Kommt die durch
Pflegeroboter gewonnene Zeit nicht der einzelnen pflegebedürftigen Person zugute, wird
eine Kontaktreduktion zwischen betreuungsbedürftigen Menschen und Pflegekräften ent-
schieden begünstigt.
Erst wenn die erlangte Zeit auch tatsächlich darauf verwendet wird, häufigeren, tiefer
gehenden Kontakt zu derselben Anzahl an Betreuungsbedürftigen zu pflegen, kann das
Problem eines drohenden Kontaktverlusts aus ethischer Sicht umgangen werden. Es ist
einzuräumen, dass die Übertragung von Dienstleistungen vom Menschen auf den Roboter
primär einen Kontaktverlust bedeutet. Interagiert eine pflegebedürftige Person aber in
angepasster Dauer und Frequenz mit dem Unterhaltungsroboter, während die Pflege-
fachperson andere Hochbetagte betreut, werden Zeitfenster geschaffen, die sowohl im
Interesse der Pflegefachkräfte als auch im Interesse der Pflegebedürftigen liegen. Unter
der Voraussetzung, dass Pflegeroboter so eingesetzt werden, dass sie Phasen zwischen-
menschlichen Austauschs verlängern, verfügen sie über das Potenzial, Aufrechterhaltung
und Vertiefung sozialer Kontakte zu befördern und so den Interessen pflegebedürftiger
Menschen wie auch denjenigen der Pflegenden gleichermaßen gerecht zu werden.
12.6 Zwischenschaltung künstlicher Instanzen und verdeckte
Adressaten
Jede Interaktion zwischen Mensch und Serviceroboter kann den Verlust direkten Kon-
takts zwischen Mensch und Mensch begünstigen. Das Zwischenschalten von Robotern
birgt jedoch noch weitere ethische Schwierigkeiten.
Der von dem Hersteller SoftBank und der belgischen Firma ZoraBots entwickelte
soziale Roboter Zora gilt als der am weitesten verbreitete humanoide Roboter im
Gesundheitsbereich (Bellinger und Göring 2017, S. 77). Die 58 cm große Maschine
wird unter anderem in Kliniken und Pflegeheimen eingesetzt, wo sie zur Mobilisation,
Rehabilitation und Unterhaltung älterer Menschen beitragen soll. Zora singt und tanzt,
motiviert bei Fitnessübungen, erinnert daran, genügend Flüssigkeit aufzunehmen,
Medikamente zu schlucken oder informiert Zentrumsbewohner über anstehende Ereig-
nisse (HCS Computertechnologie 2017). Die mit Kamera und Mikrofon ausgestattete
Zora funktioniert jedoch nicht vollautonom, sondern wird von einer Pflegefachperson
mittels Tablet ferngesteuert. Aus ethischer Sicht ist ebendiese Handhabung aus zweier-
lei Gründen problematisch. Der Austausch zwischen Pflegekraft und -bedürftigen
erfolgt über den Umweg künstlich zwischengeschalteter Roboter. Wie bei dem Einsatz
autonomer Serviceroboter wird auch durch die Zuschaltung des sozialen Roboters eine
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