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222 J. Kreis Roboter zwischengeschaltet, die den Zugang zu in sich gekehrten Menschen gewähr- leisten sollen. Bereits 1993 begann das japanische National Institute of Advanced Industrial Science and Technology (AIST) mit der Entwicklung des einem Sattelrobbenbaby nach- empfundenen Zuwendungsroboters Paro, der mittlerweile Eingang findet in Pflege- zentren weltweit. Angelehnt an eine Tiertherapie besteht die Aufgabe Paros darin, insbesondere mit Demenzerkrankten, Wachkomapatienten, autistischen Kindern oder Menschen mit Behinderungen zu interagieren, Emotionen zu wecken und dadurch die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Um Interaktionen mit Paro anzuregen, wurde bei seiner Entwicklung auf eine natur- ähnliche Erscheinung wie auch auf natürliche Verhaltensweisen geachtet. Paro ist in der Lage, Vorder- und Hinterflossen zu bewegen und auf Berührungen, Geräusche, visuelle Reize sowie auf Temperatur und Licht zu reagieren. Der 57 cm lange und 2,7 kg schwere Roboter verfügt zudem über ein synthetisches Fell sowie über verschiedene Sensoren, die es ihm erlauben, Menschen wahrzunehmen und sich ihnen mittels Kopfbewegung zuzuwenden. Feinste Technik ermöglicht ihm die Unterscheidung von Stimmen ver- schiedener Menschen und Reaktionen auf den eigenen Namen. Wird Paro gestreichelt oder geschlagen, gibt er Wohlbefinden oder Unbehagen mit der Stimme eines Sattel- robbenbabys sowie mithilfe von Körperbewegungen zu erkennen (PARO Robots USA 2014). Im Gegensatz zum ferngesteuerten Roboter Zora agiert Kuschelroboter Paro autonom. Dabei richtet sich der Roboter nach erlernten Verhaltensmustern, die zuvor bei Patienten positive Reaktionen ausgelöst haben. Da die Roboterrobbe mit Menschen eigenständig interagiert, kann die bei ferngesteuerten Robotern auftretende Problematik verdeckter Adressaten umgangen werden. Dennoch handelt es sich bei Paro und anderen Zuwendungsrobotern dieser Art um ethisch umstrittene Geräte. Im Gegensatz zu Robotern, die sich in ihrer Erscheinung klar von natürlichen Wesen unterscheiden, wird bei Paro die naturähnliche Wiedergabe von Erscheinungsbild und Verhaltensmuster echter Tiere angestrebt, um die Gunst der Patienten zu gewinnen. Analog der Kritik an ferngesteuerten Geräten sieht sich auch der Einsatz Paros mit dem Vorwurf konfrontiert, eine Täuschung des mit dem System interagierenden Menschen in Kauf zu nehmen. Dabei handelt es sich jedoch nicht um die Täuschung bezüglich Präsenz verdeckter Adressaten, sondern um eine Irreführung hinsichtlich der Natur des Roboters. Paro wird hauptsächlich in Wohnpflegezentren bei hochbetagten, dementen Men- schen eingesetzt. Aufgrund ihrer Erkrankung leiden die Betroffenen unter anderem unter dem Verlust des Denkvermögens wie auch unter verminderter Wahrnehmungsleistung (Schweizerische Alzheimervereinigung 2015). Während geistig unversehrte Men- schen einen Roboter mühelos als solchen begreifen, dürften Demenzerkrankte oft nicht erkennen, dass es sich bei einem Gerät wie Paro um kein reales Lebewesen, sondern um eine bloße Tierimitation handelt. Laut Ethiker Robert Sparrow werden Menschen somit durch den Einsatz des Roboters zu einer ethisch nicht vertretbaren Selbsttäuschung ermuntert (Sparrow 2002, S. 23).
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Pflegeroboter
Titel
Pflegeroboter
Autor
Oliver Bendel
Verlag
Springer Gabler
Datum
2018
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-658-22698-5
Abmessungen
17.3 x 24.6 cm
Seiten
278
Kategorie
Technik
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