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Robotik in der Gesundheitsversorgung: Hoffnungen, Befürchtungen …
13.4 Befürchtungen von Nutzenden
13.4.1 Nichtprofessionelle Nutzerinnen und Nutzer
Nichtprofessionelle Nutzerinnen und Nutzer fürchten eine Abhängigkeit von Hilfs-
mitteln und Assistenzgeräten und dadurch einen Verlust von eigenen Kompetenzen. Sie
haben Sorge, dass ein Gerät nicht zuverlässig und sicher genug sein könnte, technische
Probleme auftreten oder z. B. bei einem Stromausfall nicht zur Verfügung steht. Fragen
von technischem Support sind ihnen sehr wichtig. Angehörige und Betroffene fürch-
ten auch, dass es zu einer Fremdbestimmung durch die Logik der Geräte kommen kann
und sie gewohnte Abläufe im Alltag ändern oder die Wohnung an ein Gerät anpassen
müssen. Da die Finanzierung von Robotik z. B. für Hilfsmittel und Assistenzrobotik
im häuslichen Einsatz bislang noch weitgehend ungeklärt ist, stellen sich Betroffene
und Angehörige die Frage, ob sie sich Geräte überhaupt leisten können oder welche
Zugangswege es geben wird, damit keine soziale Ungerechtigkeit entsteht.
Betroffene stehen der dauerhaften Kontrolle durch Sensoren kritisch gegenüber und
fürchten den Verlust von Privatsphäre sowie Stress und Unsicherheit, wenn sie Mess-
ergebnisse nicht interpretieren können und keinen direkten Kontakt zu Fachpersonal
herstellen können (Frennert et al. 2013). In der Studie von Beer und Takayama (2011)
wurden als Befürchtungen in der Anwendung von Telepräsenzrobotik genannt:
Unsicherheit im Umgang mit der sozialen Etikette und Regeln für Telepräsenz, Ver-
letzung der Privatsphäre und übermäßiger Gebrauch des Systems.
Die Hauptsorge betrifft jedoch die Angst vor dem Verlust an zwischenmenschlichen
Kontakten, wenn Robotik Menschen ersetzt. Vereinsamung ist bereits jetzt ein Thema für
viele ältere allein lebende Menschen und könnte durch Robotik noch verstärkt werden.
Von den Betroffenen und ihren Angehörigen werden auch Bedenken geäußert, die den
Verlust an Würde betreffen (siehe Abschn. 13.3.1), und die Angst vor Stigmatisierung
und Diskriminierung, wenn Robotik Behinderung und Hilflosigkeit sichtbar macht.
Besondere Bedenken lösen sozial-interaktive Geräte aus. Sie sind dem Menschen
am ähnlichsten, täuschen menschliches Verhalten vor und wecken dadurch besonders
die Angst, dass sie Menschen ersetzen könnten und man in einer hilflosen Situation von
einer Maschine abhängig wäre. Die Ängste umfassen auch kriminelle Taten, z. B. durch
das Hacken von Geräten. Es könnte der Datenschutz verletzt, eingebrochen oder die Ver-
sorgung fehlerhaft werden, z. B. durch falsche Medikamentendosierung. Die dänische
Fernsehserie „Real Humans“ verarbeitet diese Ängste in Krimiform. Betroffene konn-
ten sich in der Studie von Frennert et al. (2013) nicht vorstellen, eine „freundschaft-
liche“ Beziehung zu einem Roboter aufzubauen, Angehörige trauten ihnen nicht zu, die
Handhabung mit einem Gerät zu lernen, und nahmen an, dass Geräte ihre Eltern oder
Angehörigen ängstigen würden (Frennert et al. 2013).
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