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Sollten Pflegeroboter auch sexuelle Assistenzfunktionen bieten?
ungenügend ausleben können (Mahieu et al. 2011; Mahieu und Gastmans 2015; Pala-
cios-Cena et al. 2016; Shakespeare et al. 1997). Das gilt für das häusliche Umfeld
ebenso wie für stationäre Einrichtungen wie z. B. Wohn- und Pflegeheime. Könnten
hier Pflegeroboter durch sexuelle Assistenzfunktionen – zumindest für bestimmte
Zielgruppen – hilfreiche und willkommene Lösungen anbieten?
2. Parallel zur Entwicklung von Pflegerobotern wird in den letzten Jahren die Ent-
wicklung von Sexrobotern vorangetrieben (Döring 2017b; Levy 2007; Sharkey
et al. 2017). Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass es bereits im Jahr 2050 für
Frauen wie Männer völlig normal sein wird, mit Robotern Sex zu haben, und zwar
befriedigenden Sex (Levy 2007; Pearson 2016). Die ersten Sexroboter sind bereits
erhältlich. Auch der Markt für Vorläuferformen dieser neuen Technik boomt: Lebens-
echte Sexpuppen werden inzwischen in diversen Formen und Preisklassen vermarktet
und auch bereits von nennenswert großen Bevölkerungsgruppen genutzt: In einer
repräsentativen Online-Umfrage in Deutschland gaben 2 % der Frauen und 9 % der
Männer Erfahrungen mit Sexpuppen an (Döring und Pöschl, 2018). Welche Potenziale
Sexpuppen und Sexroboter für die altersbedingt beständig wachsende Gruppe von
Menschen mit Pflege- und Assistenzbedarf bieten könnten, wurde bislang nicht syste-
matisch betrachtet. Hier wäre dann auch zu klären, ob und wenn ja welche Menschen
mit Pflegebedarf einen zusätzlichen Sexroboter, einen Pflegeroboter mit sexuellen
Assistenzfunktionen oder eher spezialisierte sexuelle Assistenzgeräte bevorzugen.
Der vorliegende Beitrag befasst sich erstmals mit der Frage, ob und wie die sexuellen
Anliegen von Menschen mit Pflegebedarf – zumindest zum Teil – durch robotische
Assistenz bedient werden könnten und sollten. Er setzt dazu direkt beim sexuellen Wohl-
befinden an und rekonstruiert dieses zunächst als empirisch nachgewiesenen Gesund-
heitsfaktor und als international verbrieftes Menschenrecht (Abschn. 14.2). Anschließend
wird dargestellt, was wir über die sexuellen Anliegen speziell von Menschen mit
Pflege- und Assistenzbedarf wissen (Abschn. 14.3). Um diesen Anliegen gerecht zu
werden, wird bereits heute sexuelle Assistenz durch menschliche Fachkräfte angeboten
(Abschn. 14.4). Vor dem Hintergrund dieser bisherigen Formen sexueller Assistenz
behandelt der Beitrag dann die sexuelle Assistenz durch Roboter und andere Assistenz-
geräte (Abschn. 14.5). Die Bestandsaufnahme endet mit einem Fazit für die zukünftige
Forschung und Entwicklung (Abschn. 14.6).
14.2 Sexuelles Wohlbefinden als Gesundheitsfaktor und
Menschenrecht
Wenn Pflegeroboter dazu beitragen sollen, die Lebensqualität von Menschen mit Pflege-
bedarf zu steigern oder zumindest zu erhalten, dann darf das sexuelle Wohlbefinden
dabei nicht ausgeblendet werden. Denn nach heutigem Diskussionsstand ist sexuelles
Wohlbefinden als Gesundheitsfaktor und Menschenrecht anzuerkennen.
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