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262 N. Döring
14.5.3 Spezialisierte sexuelle Assistenzgeräte
Für bestimmte sexuelle Anliegen von Menschen mit Pflegebedarf mag es gar nicht not-
wendig oder sinnvoll sein, einen kompletten Roboter zu nutzen. Hier können kleinere
und handlichere Assistenzgeräte im Sinne spezialisierter Sexspielzeuge sinnvoller sein.
Sie sind zudem oft diskreter. Einzelgeräte werden auch in anderen Bereichen der roboti-
schen Assistenz eingesetzt. So fungiert etwa ein robotischer Löffel als Mahlzeiten-
assistent („My Spoon“: www.secom.co.jp/english/myspoon/).
Weitgehend unter dem Radar der Forschung hat sich der Markt an Sextoys, die von
Frauen und Männern für Solo- und Partnersexualität verwendet werden, in den letzten
Jahren sehr stark diversifiziert und auch technisiert (Döring 2017b; Döring und Pöschl
2018). Kleinstbetriebe fertigen „Sexmaschinen“, die sich eigenständig bewegen, oder
maßgeschneiderte „Sexmöbel“ und vermarkten sie erfolgreich online. Die Entwicklung
innovativer Sexprodukte wie des bionischen Umschnalldildos Ambrosia Vibe (Orgasma-
tronics.com) wird über Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo.com finanziert. Der-
artige Sexprodukte können besonders hilfreich sein für Menschen mit altersbedingten
Beeinträchtigungen, da sie z. B. sexuelle Funktionsstörungen ausgleichen, Mobilität
unterstützen und Stimulation verstärken. Die wenigen Studien zu Gebrauch und Wirkung
von Sexspielzeugen in der Allgemeinbevölkerung deuten auf positive Gesundheitseffekte
hin (Döring und Pöschl 2018).
Somit sind zum einen Initiativen zu fördern, die Sexspielzeuge entwickeln, welche
auf die vielfältigen Bedürfnisse von Menschen mit Pflegebedarf zugeschnitten sind
(Alptraum 2015). Zum anderen sollte im Rahmen passiver Sexualassistenz für Men-
schen mit Pflegebedarf bei Bedarf eine zeitgemäße Beratung zu Auswahl, Beschaffung
und Nutzung sexueller Assistenzgeräte stattfinden. Denn der Markt ist unübersichtlich
und dynamisch. Die Erotikbranche stellt sich langsam auf die Zielgruppe der älteren
Menschen ein und vertreibt zunehmend „Produkte der sexuellen Gesundheit“, die etwa
sexuellen Lustgewinn und gezieltes Beckenbodentraining zur Inkontinenzprophylaxe
kombinieren. Sowohl Inklusionsaktivistinnen wie Tuppy Owens (2014) als auch Sex-
bloggerinnen wie Erika Lynae (2016) liefern erste Hinweise darauf, welche Sextoys für
Menschen mit Beeinträchtigungen besonders nützlich sind. Hier besteht anhaltender
Aufklärungs- und Forschungsbedarf.
14.6 Fazit
Wenn wir sexuelles Wohlbefinden als Gesundheitsfaktor und Menschenrecht von pflege-
bedürftigen Personen ernst nehmen, liegt es auf der Hand, im Kontext der Entwicklung von
Pflegerobotern auch über robotische Sexualassistenz nachzudenken. Dabei sind sowohl
Konzepte denkbar, die sexuelle Assistenzfunktionen in multifunktionale Pflegeroboter
integrieren, als auch Konzepte, die mit separaten Sexrobotern oder sexuellen Assistenz-
geräten operieren. Sozio-emotional sinnvolle und das Wohlbefinden fördernde Assistenz-
konzepte müssen in interdisziplinären Teams zusammen mit den möglichen zukünftigen
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