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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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gegen erkennbar. (Radonić 2019a, 257)Die Tatsache, dass auchMuslime zum KZ-Personalgehörten,wird inJasenovacsomitbuchstäblichweggeschnitten. BezeichnetwerdendieTäterInneninderAusstellungals„Ustaša-Behörden“, „Ustaša-Bewegung“ oder als „verantwortlicheUstaša“, doch dies geschieht nur seltenundnicht in jenenTeilen, in denenesumMassenmordgeht,wopassive Formulierungenwie „wurdengetötet“überwiegen.Namentlichgenanntwerden neben „Pavelić und seinenMitarbeitern“ einzig „LjuboMiloš, der Ustaša-Ober- leutnant“undnebenbei inderErklärungeinesMetallobjekts IvicaMatković, der vonJanuar1942bisMärz1943 Jasenovac-Kommandantwar.AndenComputerar- beitsplätzeninderAusstellungundaufderMuseumswebseite,alsodort,woman bestimmte Informationennur findet,wennmanbewusst danach sucht,werden neben Ante Pavelić elf weitere Ustaša-Täter vorgestellt. Nach den Kurzbiogra- phienundPorträtfotos von fünf führendenKöpfendesUstaša-Regimes folgen sieben unmittelbar für den Lagerkomplex Jasenovac Verantwortlichewie die KommandantenMiroslavFilipovićMajstorović, LjuboMilošoderDinkoŠakić. So unverzichtbardieZeugnisseder individuellenOpfer sind, sonötigwärehiereine ‚integrierteGeschichte‘,dieauchanprominenterStelledieTäter,aberauchTäte- rinnenimFrauenlagerbeleuchtet. AuchdiegenauenGründe fürdieVerfolgungmüssenTeil soeinerGeschichte sein. InderTuđman-ÄrakamdieBehauptungauf,dieOpfer seienpolitischeGeg- nerdesUstaša-Staatesgewesen;alsowurde inBezugaufdenerstenAusstellungs- entwurf eingewandt, es sei unverzichtbar, zu zeigen, dass vor allemAngehörige der aus rassistischenGründenverfolgtenBevölkerungsgruppenermordetworden waren. Nachder erstenVorstellung desAusstellungskonzeptswurdendann auf- grunddieserKritiknebendenNamenderOpfer,diezuBeginnderAusstellungauf einemBildschirmdurchlaufen, deren ethnische Zugehörigkeit, das Geburts- und Sterbejahrhinzugefügt, auchumdeutlich zumachen,dassKinderundGreise ebenfallsmassenhaftermordetwurden. Der beinaheausschließlicheFokus auf individuelleOpfergeschichtenbirgt eineweitere Gefahr. Nataša Jovičić kritisierte zuRecht die veraltete Pädagogik desHorrors der früheren Ausstellung, diemit schockierenden Fotografien an- onymerLeichenbergeundentstellter Leichenarbeitete. Sie schossdann jedoch weit über das Ziel hinaus: „Wennman sich an die Opfer als individuelle Ge- sichter und nicht als anonyme, bestialisch ermordete Menschenmasse erin- nert, dann ‚schickenwir vomOrt desVerbrechens eineBotschaft des Lichts‘. Auf zeitgenössischeWeise präsentierteHistoriographie sieht so aus, dass die Topographie des Terrors in die Topographie des Lebens umgegossen wird“ (Vjesnik, 7.3.2004), so Jovičić in einemZeitungsinterview.DieseEnthistorisie- rungundDekontextualisierungamOrtdesTodeslagersdrückt sich inderMu- seumspublikation außer im Fokus auf Privatfotos der Opfer auch darin aus, 4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 111
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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