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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen - Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
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lassen,weil sichDeutschedarineinquartierten,undsich inden letztenKriegswo- chenhungrig undmüde allein durchschlagen, nachdem sie von ihrerMutter ge- trennt worden war, die den Krieg nicht überlebte. Im sechsten Raum über die Vernichtung inAuschwitzwirdauf den Info-ScreensdieGeschichte zweier ortho- doxerJudenausderKarpatho-Ukraineausgeführt:SiehättendieMitgliederdesJü- dischenSonderkommandosgefragt,obesZeit fürdasSterbegebetsei, fingenanzu betenundbatendieSonderkommando-Leute,mit ihnenaufdasLebenzu trinken und ihren Tod zu rächen, bevor sie friedlich in die Gaskammer gingen und das Sonderkommandoweinendzurückließen.DieachtzigjährigeFraueinesRabbiners aus einem Transport aus Kassa (Košice) habe hingegen lauthals die ungarische Regierungund jene jüdischenAnführerverflucht,die inRedendieGemeindenbe- ruhigthättenunddannvordenDeportationengeflohenseien. InVideosvonInter- viewsmitÜberlebendensowie imletztenRaum,derden jüdischenReaktionenauf dieVerfolgung, den JudenrätenunddemzionistischenWiderstand gewidmet ist, kommendieAkteurInnen selbst zuWort: Auszüge ausdemTagebuchvonAdam Czerniaków,demVorsitzendendesWarschauer Judenrats,undausMemoirenvon SamuStern,seinemBudapesterKonterpart,werdenverlesen.90 Das Beispiel HDKE führt uns vor Augen, dass ‚Individualisierung der Opfer‘ verschiedenste Dinge, also eine ganze Bandbreite an Zugängen be- deutenkann:VomkontextlosenAusstellennamenloser Privatfotos über das Sprechenüber individuelleOpferund ihreBiographien indirektemZusammen- hangmit ihren Privatfotografien, manchmal in direkter Gegenüberstellungmit erkennungsdienstlichenAufnahmenderTäterInnen, bishin zuragency, die den ProponentInnenselbstgegebenwird, indemsie inTagebüchernoder (stärkerge- steuert) inÜberlebenden-Interviews ihreeigenePerspektiveundHandlungsspiel- räumeerörtern.AktivesHandeln,dasdasBildvombloßpassivenOpferkonterkariert, muss hingegen keinesfalls individuellen Personen namentlich zugeordnet werden, 90 Meyer (2014, 167)beurteiltdiesen imGegensatzzudenrestlichendunklenRäumenweißen Teil als bloßen Nachtrag: „This section, in terms of content, placement and colour relates agency to the side.“Der Eindruck, dass dieMehrheit passiv auf die zunehmendeVerfolgung reagierthabe,seiproblematisch.„Jewsasactiveagents,aspresentedinsectionone,disappear and insteadbecomeobjects in the storyof theirpersecution.“ (Meyer 2018, 131) Interessant ist hier, wie sich der aktuelle Trend, denOpfern verstärkt agency zuzusprechen, zu den histori- schenTatsachenderVerfolgung inUngarnverhält,woderGroßteil zumindestdermännlichen jüdischen Erwachsenen sehr früh in denmilitärischen Zwangsarbeitsdienst eingezogenwor- denwar,wasWiderstandstarkerschwerte.DerAusstellungskatalogweisthieraufeinenUnter- schied im Verhalten zwischen Juden und Roma hin: „The organization of the Gypsy forced military labour companieswas rendereddifficult by the fact that unlike Jews,Gypsiesdidnot enroll obediently, and if theywerecapturedandpressed into service, theyescapedat the first opportunity.“ (Karsai,KádàrundVági2006,33) 122 4 DerZweiteWeltkrieg imMuseum
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Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Titel
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Untertitel
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
Autor
Ljiljana Radonić
Verlag
DE GRUYTER
Datum
2021
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY 4.0
ISBN
978-3-11-072205-5
Abmessungen
15.5 x 23.0 cm
Seiten
338
Schlagwörter
Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
Kategorien
Geschichte Historische Aufzeichnungen
Geschichte Nach 1918
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