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umwirkungsvollaufWiderstandinundenkbarstenSituationenhinzuweisen,wiedies
dieAusstellung imAbschnitt über ‚JewishReactions‘ im siebten, imUnterschied zu
davornunhellgehaltenenRaumebenfallstut:
Nevertheless, someHungarian Jewsdeported toAuschwitz-Birkenau often tried to resist
evenat thedoorsof thecrematoria. In thedawnofMay26, 1944,hundredsofcondemned
Hungarian Jews refused to enter thegas chambers and tried tobreakout fromtheclosed
sector of CrematoriumV. Under the glare of floodlights, theywere all shot. OnMay 28,
another Hungarian transport revolted at the same place. […] On October 7, 1944, after
months of preparations, the Jewish SONDERKOMMANDO inBirkenau rose in revolt. The
JewsblewupCrematoriumIV., attacked theguardsandbrokeoutof the camp.While es-
caping, they cut through the barbedwire of thewomen’s camp so that girls andwomen
couldalsoescape.By theendofawholedayof firingandpursuit, all the rebelshadbeen
killed;but inadditionto451prisoners, threeSSwerealsokilled in thefights.At that time,
halfof themembersof theSONDERKOMMANDOwereHungarians.
FürdenMuseumsvergleichistbesondersspannend,wiedieAusstellungmitun-
geklärten Fragenumgeht: In inner-jüdischenDebatten umstrittene Fragenwie
jeneüberdieRolleder Judenräteunddes zionistischenWiderstandswerden in
diesemsiebtenRaumals ebensolcheunterderÜberschrift „Dilemmas“präsen-
tiert.Der Judenrathättemeistdie falscheEntscheidunggetroffen,dadieAnfüh-
rerderungarischenRegierunggegenüber loyalblieben,obwohldiesegegensie
Krieg führte.Obwohl sieüberdieMassenvernichtungBescheidgewussthätten,
hätten sie zumGehorsam aufgerufen. Doch einige hätten auch außerordentli-
chenMutbeimSchutzderVerfolgtenundderOrganisationvonVorrätenfürdie
BudapesterGhettosgespielt. InBezugaufdaszionistischeRettungskomiteevon
RezsöKasztner heißt es, es habemit denNazis verhandelt und 1.700Personen
indieSchweiz rettenkönnen,wasmanchealsheroischeTatundmachealsdie
RettungvonausgewähltenWenigenaufKostenvielerbetrachten. ImGegensatz
zumweiteruntenvorgestelltenHausdesTerrors,dassehrstarkDeutungenund
Empfindungen vorgibt, stellt das HDKE also auch gesellschaftspolitische Dis-
kussionenalsoffeneFragenaus.
Wieanhandvon Jasenovacgezeigtwurde,birgtderFokusaufdie individuel-
lenOpfergeschichten die Gefahr einer Identifizierungmit denOpfern unter Aus-
blendung der TäterInnenperspektive. Doch imHDKEwird auch den TäterInnen
vielRaumgegebenunddieungarischeMitverantwortungfürdenHolocaust scho-
nungslos aufgearbeitet. DieHauptverantwortlichen für dieDeportationenwerden
gezeigt: neben Eichmannund zweien seiner SS-Offiziere Andor Jaross, Innenmi-
nister derungarischenKollaborationsregierung, unddas „Deportations-Trio“, be-
stehend aus den Staatssekretären László Endre und László Baky sowie dem
Gendarmarie-Oberstleutnant László Ferenczy, der die Deportationen vor Ort
leitete.„Duringthespringandsummerof1944, theentirestateapparatusofwar-
4.3 Die2000er:DieKommunikationmit ‚Europa‘ 123
Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Titel
- Der Zweite Weltkrieg in postsozialistischen Gedenkmuseen
- Untertitel
- Geschichtspolitik zwischen der ‚Anrufung Europas‘ und dem Fokus auf ‚unser‘ Leid
- Autor
- Ljiljana Radonić
- Verlag
- DE GRUYTER
- Datum
- 2021
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-11-072205-5
- Abmessungen
- 15.5 x 23.0 cm
- Seiten
- 338
- Schlagwörter
- Gedenkmuseen, postsozialistische Transformationsprozesse, Zweiter Weltkrieg, Europäisierung der Erinnerung, Universalisierung des Holocaust, Geschichtspolitik
- Kategorien
- Geschichte Historische Aufzeichnungen
- Geschichte Nach 1918